Zum Hauptinhalt springen

Bischofsnachfolgespiel bleibt offen

Von Heiner Boberski

Politik

Die Österreichische Bischofskonferenz trat zu ihrer Herbsttagung erstmals ohne Bischof Kurt Krenn zusammen. Einige Agenden wurden neu verteilt. Die Bischofsnachfolge in Feldkirch war offiziell kein Thema.


Österreichs katholische Bischöfe haben sich gründlich mit der besonders von denTurbulenzen in St. Pölten geprägten Entwicklung der Kirche in den letzten Monaten beschäftigt. Das berichtete Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, bei einer Pressekonferenz in Wien von der Herbsttagung der Bischofskonferenz in Salzburg. Schönborn zeigte Verständnis dafür, dass es "an der Basis schwer zu ertragen war, was sich abgespielt hat". Die Bischöfe hätten jedenfalls in Salzburg Bischof Klaus Küng für die "kluge und glaubwürdige Weise der Führung der Visitation" der Diözese St. Pölten gedankt und ihm volle Unterstützung für die Zukunft zugesagt. Über Bischof Krenns Zukunft sei in Salzburg nicht gesprochen worden. Sie liege in dessen persönlicher Entscheidung.

Nach Ablauf der im Statut festgelegten sechsjährigen Funktionsperiode wurden Christoph Schönborn als Vorsitzender und Ägidius Zsifkovics als Generalsekretär der Bischofskonferenz für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Krenns Ausscheiden machte neue Referatsverteilungen notwendig. Neuer Vorsitzender der Finanzkommission ist Bischof Küng, neuer Sport-Bischof der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. Bischof Manfred Scheuer von Innsbruck übernahm das Caritas-Referat vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser.

Unter Verweis auf die "Spielregel der Vertraulichkeit" ließ sich Schönborn von den Medien keine Antwort auf die Frage entlocken, ob der Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, Benno Elbs, der Favorit der Bischöfe für die Nachfolge von Küng in Vorarlberg sei, wie dies Medien berichtet hatten. Auf Einladung des Nuntius hätten die Bischöfe einzeln Vorschläge machen können, aber wer letztlich wen genannt habe, könnte, so Schönborn, nur der Nuntius beantworten, und der werde das nicht tun. Bis der Papst entscheide, könne es noch Wochen oder Monate dauern.

Ein Thema der Bischofskonferenz war auch die durch den Skandal von St. Pölten in ein schiefes Licht geratene Priesterausbildung. Laut Schönborn ist sie in Österreich "spirituell und menschlich solid". Er betonte: "Pauschalverdächtigungen gegenüber Seminaristen und Priester sind unberechtigt und unverdient." Der Stand der Priesterberufungen habe sich auf "relativ niedrigem Niveau" stabilisiert. Heuer seien 34 Neueintritte in Priesterseminare erfolgt. Insgesamt gebe es - ohne St. Pölten, wo der Betrieb ruht - 150 Seminaristen.

Die Bischofskonferenz bekräftigte ihre Position, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen einer Ehe zwischen Mann und Frau nicht gleichgestellt werden können. Schönborn betonte: "Wesensmäßig Verschiedenes muss auch unterschiedlich benannt und behandelt werden." Dies sei keine Diskriminierung von homosexuell geneigten Menschen, deren Anspruch auf Respekt dürfe nicht in Frage gestellt werden. Eine Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare lehnen die Bischöfe aber entschieden ab. Als "legitim" bezeichnete Schönborn eine zivilrechtliche Absicherung von Lebensgemeinschaften - sowohl von heterosexuellen als auch von homosexuellen. Vorrang hat für die Bischöfe aber die Förderung der Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau.

In einem Text zum Fortpflanzungsmedizingesetz ersuchten die Bischöfe die Verantwortungsträger, das Gesetz in einigen Punkten "nachzubessern": ausdrückliches Verbot von Menschenselektion durch Präimplantationsdiagnostik; ausdrückliches Verbot des Missbrauchs menschlichen Lebens durch Klonen und verbrauchende Embryonenforschung; Beschränkung der Befruchtungsversuche in der Art, dass keine überzähligen Embryonen entstehen.

Mit dem Hinweis auf historische Leistungen geht die katholische Kirche ins Jubiläumsjahr 2005, dessen Höhepunkt, der 15. Mai als 50. Jahrestag des Staatsvertrages, auf den Pfingstsonntag fällt. Hier sind viele Initiativen in Vorbereitung. Die Bischöfe appellieren an den Verfassungskonvent, den freien Sonntag in die Verfassung aufzunehmen.

Für den Katholischen Weltjugendtag im August 2005 in Köln rufen die Bischöfe Österreichs Jugendliche zur Beteiligung auf. Der Prozess des Mitteleuropäischen Katholikentages und die heurige "Wallfahrt der Völker" finden im Mai 2005 im bosnischen Marienort Kupres eine Fortsetzung.

Im von Papst Johannes Paul II. ausgerufenen "Jahr der Eucharistie" soll die Bedeutung der Sonntagsmesse besonders betont werden. Nach einem Appell der Bischöfe der arabischen Staaten laden Österreichs Bischöfe dazu ein, den 22. Dezember heuer als Tag des Fastens und Betens für den Frieden im Heiligen Land zu begehen.