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Bisher im Schatten des großen Bruders

Von Farshid Motahari Teheran

Politik

· Insider handelten Mohammad-Reza Khatami schon seit einiger Zeit als den kommenden Mann. Die Parlamentswahl hat den 40 Jahre alten Bruder von Präsident Mohammad Khatami (57) nun als | Hoffnungsträger der Jugend in das politische Rampenlicht der Islamischen Republik katapultiert.


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In seinem Teheraner Bezirk schlug er neun Mitwerber aus dem Feld und eroberte seinen Parlamentssitz damit im Sturm. Manche sehen ihn schon als neuen Präsidenten des Majlis (Parlament).

Wie viele Politiker seiner Generation beteiligte er sich vor über 20 Jahren als Student am Kampf gegen den Schah und die damals in den Revolutionstagen für fast alles verantwortlich gemachten USA. So

gehörte er zur radikalen Studentenbewegung, die im November 1979 mit der 444 Tage dauernden Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran begann. Vorübergehend beriet er auch das

Kultusministerium.

1959 in Ardakan, Hauptstadt der zentraliranischen Provinz Yezd geboren, widmete er sich dann zunächst seinem Medizinstudium. Er wurde praktischer Arzt und spezialisierte sich durch zusätzliche

Studien in Großbritannien auf die Urologie. Daheim brachte er es bis zum wissenschaftlichen Assistenten an der medizinischen Fakultät der Hauptstadt.

Die überraschende Aufstieg seines reformorientierten Bruders war für den Mann mit den grauen Bart und den blitzenden Augen Initialzündung für den Einstieg in die eigene politische Karriere. Er wurde

für einige Monate zum Vize-Gesundheitsminister berufen, kümmerte sich dann aber um den Aufbau seiner sozialdemokratisch orientierten Partei der Kollektiven Zusammenarbeit (IIPP). Erst im vergangenen

Jänner schuf sich der Vater von zwei Kindern mit der Tagezeitung "Mocharekat" (Kollektive Zusammenarbeit) auch ein Sprachrohr für seine politischen Ziele.

Sie decken sich weitgehend mit denen seines älteren Bruders, der als Geistlicher und Präsident die Verkrustungen des konservativen Regimes zu Gunsten von Bürgerrechten aufbrechen will. Im Kampf gegen

die Allmacht der Mullahs will der 40-Jährige allerdings kompromissloser sein. Er hält nichts von der Zusammenarbeit seines Bruders mit Gruppierungen der Mitte. "Iran für alle Iraner" ist sein Motto,

mit dem er vor allem die ungeduldige Jugend auf seine Seite zog.