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Bitcoins öffnen keine Badezimmer

Von Judith Belfkih

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Jetzt ist Geld natürlich zuallererst einmal ein Zahlungsmittel. Schon allein dadurch erfüllt es nicht nur seinen Zweck, sondern verfügt es über gewisse Anziehungskraft. Geld - vor allem auf bunt bedrucktem Papier - ist nicht bloß Platzhalter für in Bunkern lagernde Goldreserven. Es kann viel mehr.

Gerade in hitzigen Zeiten wird es vermehrt als Träger politischer oder sozialkritischer Botschaften benutzt. Ein handschriftliches "Finanztransaktionssteuer jetzt!" taucht da ebenso auf Euro-Scheinen auf wie der Stempel "Refugees are not welcome!". Auch die Sprüche "Es gibt keine Kondensstreifen durch Flugzeuge" oder "Was wir ernten, ist was wir säen" wurden bereits gesehen. Einen Haken hat das Medium Geld: Das Beschriften von Scheinen macht diese zwar für den Beschrifter in einer speziellen Weise wertvoll, für den Zahlungsverkehr entwertet es sie jedoch - sie werden in Folge aus dem Verkehr gezogen.

Geld lässt sich jedoch auch als Analyse-Tool nutzen. Ein Schweizer hat für seine Diplomarbeit Geldscheine auf Kokainspuren untersucht. Er fand auf 16 Prozent der Scheine Rückstände des Rauschmittels und widerlegte damit die moderne Sage, alle Scheine seien schon einmal mit Kokain in Berührung gekommen.

Da können Bitcoins, Blockchain und Online-Überweisung einpacken. Nur die Kreditkarte scheint als Mittler zwischen haptischer Welt und digitalem Universum hier bestehen zu können. Auch sie könnte man auf Drogenspuren untersuchen. Es soll damit aber auch schon so manche innen von Kinderhand verschlossene Badezimmertür geöffnet worden sein. Auch die Euro-Münze eignet sich da bestens. Lang lebe das Bargeld!