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Bitte um eine Impfpflicht

Von Martina Madner

Leitartikel

Die gelinden Maßnahmen, um noch ein G in den Talon zu werfen, sind schlichtweg unverständlich.


25 von 100 Menschen, also jede vierte Person in Österreich, könnte sich gegen eine Sars-CoV-2-Infektion impfen lassen - hat es aber bis jetzt nicht getan. Es geht um das Viertel, das bisher noch nicht an Covid-19 erkrankt war, also nicht zu den Genesenen gehört, alt genug zum Impfen und keine der Ausnahmeerscheinungen ist, denen medizinisches Fachpersonal aus guten Gründen tatsächlich vom Impfen abrät. Also all jene, die sich - anders als die
64 von 100, die vollimmunisiert sind - gegen eine Impfung entschieden haben. Diese 25 Prozent sollten sich impfen lassen, um sich selbst zu schützen - und um anderen nicht weiter zu schaden.

Bis jetzt lassen sie sich nicht davon überzeugen, sich selbst zu schützen. Dabei gibt es überzeugende medizinische Gründe: Milden Verläufen ohne Langzeitfolgen und vereinzelten Impfschäden steht Long-Covid gegenüber. Ungeimpften droht weit häufiger ein schwerer Verlauf, wie der Blick auf die Intensivstationen zeigt: 80 von 100 mit Covid-19 sind nicht vollständig geimpft. Jeder Dritte, der mit Covid-19 eine Intensivbehandlung benötigt, überlebt die Erkrankung nicht, sondern verstirbt daran. Die Impfung wirkt also - nicht 100-prozentig, aber doch deutlich.

Die 25 von 100 ignorieren auch, dass Impfen ein solidarischer Akt ist. Kinder und Menschen, die das Pech haben, dass der Impfstoff bei ihnen nicht wirkt, wären inmitten Geimpfter weitgehend geschützt. Hüft- oder auch Tumoroperationen könnten regulär stattfinden, Diagnoseuntersuchungen im Spital ebenfalls. Diese werden wegen der großen Anzahl an Covid-19-Erkrankten auf Intensivstationen wieder verschoben. Covid-19 auf Normalstationen blockiert doppelt so viel Personal wie andere Erkrankungen.

Ungeimpfte sind also mitverantwortlich dafür, dass andere Menschen länger leiden müssen. Sie tragen Mitschuld daran, dass das Risiko für manche steigt, nicht mehr gesund zu werden. Denn die Wartezeit kann bei manchen eben zu lang ausfallen.

Es ist davon auszugehen, dass mehr als zwei Drittel der politisch Verantwortlichen solche unangenehmen Wahrheiten kennen. Die Infektionszahlen steigen, Wien verdrängt mit mehr 2G-Zutritt nur für Geimpfte und Genesene die Ungeimpften aus dem öffentlichen Raum. Unverständlicherweise bleibt es sonst bei weitgehend gelinden Maßnahmen, um noch ein G in den Talon zu werfen. Dabei müsste einfach das Herumlavieren im Bund ein Ende haben. ÖVP und Grüne müssten endlich offen aussprechen, was die 25 von 100 zum Impfen bringt: eine allgemeine Impfpflicht. Damit könnte man die negativen Folgen der Pandemie richtig eindämmen und endlich wieder allen das Leben erleichtern.