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"Bitte warten" soll künftig kostenlos sein

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

Einige Mobilfunker sind nur über teure Hotline zu sprechen. | Arbeiterkammer: Warteschleife von 0900-Nummern soll künftig keine Kosten mehr verursachen. | Wien. Das neue Handy liegt frisch ausgepackt auf dem Tisch: Surfen, E-Mail, MMS, alles ist möglich. Ärgerlich, wenn der Eifer des Kunden an falschen Handy-Einstellungen scheitert. Noch ärgerlicher freilich ist die darauf folgende Odyssee: Das automatische Konfigurieren über ein SMS des Mobilfunk-Anbieters funktioniert nicht. Im Internet sind zwar Einstellungen für Dutzende Handys abrufbar, nicht aber für exakt jenes brandneue Modell, das man in Händen hält.


Und die Online-Maske auf der Webseite des Anbieters, in die man Anfragen tippen soll, reagiert hartnäckig mit der Fehlermeldung: "Das Service ist derzeit nicht verfügbar."

Erhält der mittlerweile bereits genervte Kunde dann obendrein noch im Mobilfunkshop die Auskunft, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern verbietet, für diesen Billigtarif Auskünfte zu erteilen, wird aus der Lust am neuen Handy ganz schnell Frust.

Es gibt kein Entkommen

Alle Wege sollen zur teuren Service-Hotline führen - dieser Eindruck ist gar nicht einmal so falsch. A1-Sprecherin Elisabeth Mattes bestätigt, dass Anfragen zum Billigtarif Bob in A1-Shops nicht beantwortet werden. Der Kunde wird stattdessen an die Service-Hotline verwiesen - im Falle von Bob ist das eine 0900-Nummer, die pro Minute 1,09 Euro kostet. "Das ist eingepreist, deshalb ist der Tarif so billig", erklärt Mattes: "Wir sprechen deshalb von einem No-frills-Angebot, einem Tarif ohne Rüschen, also ohne Extras."

0900-Nummern sind aber keine ausschließliche Domäne der Diskontanbieter mehr. Bei T-Mobile gibt es eine "Technik-Hotline", die Konfigurationsprobleme aufklären soll. Kostenpunkt: 88 Cent pro Minute.

Rechtlich ist es gedeckt, dass Mobilfunker nur über Gebührennummern zu sprechen sind, sagen die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer (AK): Nur für die Reklamation von Gewährleistungsansprüchen (also bei Defekten) müssen sie kostenlos erreichbar sein. Dafür reicht aber eine E-Mail- oder Postadresse.

Kein Garant für Erfolg

Bleibt also doch nur die teure Hotline als Ausweg. Bei T-Mobile tickt der Kostenzähler bereits, bevor das Gespräch zustande kommt - was bei einem Testanruf aber recht rasch (nach 20 Sekunden) der Fall war. In der Bob-Warteschleife dauerte es länger (zwei Minuten), dafür fallen in dieser Zeit keine Gebühren an.

So soll es sein, sagt die AK, die Fälle sammelt, in denen Kunden unliebsame Erfahrungen mit 0900-Warteschleifen gemacht haben - nicht nur bei Mobilfunkern. In Anlehnung an Deutschland will sie in die Novelle zum Telekom-Gesetz reklamieren, dass Warteschleifen von 0900-Nummern kostenlos sein müssen, bis das Gespräch zustande kommt. "Sonst wird ein teurer Mehrwert verrechnet, bevor er zustande gekommen ist", sagt AK-Expertin Daniela Zimmer. Auch die Telekombehörde RTR könne gegebenenfalls das Thema über eine Verordnung klären.

Die falschen Handy-Einstellungen konnte die (bemühte) Hotline-Mitarbeiterin übrigens nicht aufklären. Sie hatte dafür aber die Nummer des Handyherstellers parat: eine Gebühren-Hotline.