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Bittere Schokolade versüßt Geschäft

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft

Umsätze bei Billa, Merkur von 2003 auf 2005 verdoppelt. | Handel profitiert vom Gesundheits- und Wellnesstrend. | Wien. Genießen hat eine dunkle Seite. Laut dem Marktforscher ACNielsen wächst der Gesamtumsatz bei dunkler Schokolade um rund ein Viertel pro Jahr. Man könne nicht ausschließen, dass einzelne Untersegmente ein noch stärkeres Wachstum hätten, so die Marktforscher.


"Von 2003 bis 2005 hat sich der Umsatz der dunklen Schokolade bei uns fast verdoppelt", sagt Corinna Tinkler von Rewe Austria. Das gelte für die Supermarktketten Billa und Merkur, aber auch beim Diskonter Penny gebe es ein Wachstum. In den letzten beiden Jahren habe sich in dem Segment generell viel getan. "Wir glauben, es gibt eine Entwicklung in Richtung Schokolade als hochwertiges Genussmittel, so wie Wein oder Kaffee", erklärt Tinkler. Es gebe Studien, die belegen, dass dunkle Schokolade in Maßen gesund sei. Auch Nicole Berkmann von der Handelskette Spar preist die Schokolade mit hohem Kakaoanteil als "weniger dick machend und gesundheitlich besser als Milchschokolade" an. Der Anteil der dunklen Schokolade am 100-Gramm-Tafel-Segment betrage bei Spar rund 10 Prozent. Die Tendenz sei stark steigend.

Kleine Geschäfte als Vorreiter

Aber nicht nur Supermärkte profitieren von der Entwicklung, sondern auch viele Spezialgeschäfte. Michael Kornherr, Betreiber einer Confiserie im 9. Wiener Gemeindebezirk, erzählt, dass der Trend bei den Einzelgeschäften schon vor zehn Jahren langsam eingesetzt habe. In den vergangenen drei Jahren sei daraus ein Boom geworden. Allerdings "muss man dem Kunden die Bitter-Schokolade erklären", so Kornherr. Wenn man die Schokolade wie eine Milch-Schokolade zerbeiße und rasch schlucke, dann schmecke sie sehr bitter. Der Schlüssel zum Erfolg: Die dunkle Schokolade kann ihr Aroma nur entfalten, wenn man sie auf der Zunge zerschmelzen lässt. "Deshalb habe ich auch keine Sorge wegen der Supermärkte", erklärt Kornherr. Denn nur in den kleinen Geschäften bekomme der Konsument die "Gebrauchsanweisung", wie man die Bitter-Schokolade richtig genieße. Kornherr bietet für Schokolade-Kenner auch einen Newsletter per E-Mail an, mit dem er über Neuheiten im Schoko-Bereich informiert.

Die Einzelhändlerin Monika Györgyfalvay engagiert sich innerhalb der Wirtschaftskammer Wien für die Süßwaren-Fachgeschäfte. Sie betont, dass der Trend zu ausgefallener Bitter-Schokolade immer stärker an die Entwicklung bei "gutem Wein" erinnere. Genauso wie beim Wein gebe es auch hier Seminare, Verkostungen, ein Expertentum entsteht.

Die Gesundheit als Verkaufsargument

"Wenn man die dunkle Schokolade in kleinen Stücken isst, wird man sicher nicht zunehmen. Außerdem kann man von einer Schokolade mit 70, 80 oder 100 Prozent Kakaoanteil sowieso nicht viel essen", sagt Kornherr. Die Idee, Bitter-Schokolade nicht mehr zu verteufeln, sondern in eine ausgewogene Diät sinnvoll zu integrieren, kommt von dem französischen Ernährungs-Guru Michel Montignac, weiß Marie Weber von einem Fachgeschäft in der Wiener Innenstadt. Vor allem Raucher kauften sich dunkle Schokolade, um vermehrt Antioxidantien und Mineralstoffe zu sich zu nehmen, so Weber. Der im Kakao enthaltene Stoff Theobromin rege ähnlich wie Koffein den Stoffwechsel an und wirke auch noch gegen Depressionen.

Nur fünf Prozent der Produktion sind Criollo

Bitter-Schokolade ist aber nicht gleich Bitter-Schokolade, denn bei der verwendeten Kakaosorte gibt es qualitative Unterschiede. Die Edelsorte Criollo wird vor allem in Südamerika angebaut. Sie ist feiner im Geschmack und daher sehr gut für die dunkle Schokolade geeignet. Allerdings ist diese Kakaopflanze sehr anfällig und macht daher nur rund fünf Prozent der Weltproduktion aus. Insofern sollte sich der Konsument nicht wundern, dass gute Bitter-Schokolade in Spezialgeschäften bis zu zehn Euro kosten kann.