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Blairs Saubermann-Image wankt

Von Anna Tomforde

Politik

London - Nicht lange war es der regierenden britischen Labour Party vergönnt, sich über das "heimliche Weihnachtsgeschenk" einer Millionenspende für den Wahlkampf 2001 zu freuen.


Die Kombination von Vorwahlkampf- und Feiertagsatmosphäre sorgte dafür, dass eine Spende in Höhe von rund 42 Mill. Schilling unvermittelt zum Politikum wurde. Um einer potenziell gefährlichen politischen Entwicklung vorzugreifen, drängte Labour den Großverleger und Parteifreund Lord (Paul) Hamlyn (74), sich als Geldgeber zu offenbaren.

Damit wurde, so schrieb die "Times" am Mittwoch, größerer Schaden für Labour erst einmal abgewendet. Zurück bleibt nach Ansicht des Blattes aber der Verdacht, dass Labour wenige Wochen vor neuen Regelungen über die Offenlegung von Spenden die Summe gern "stillschweigend kassiert" hätte. Ab Mitte Februar müssen nach von Labour eingebrachten Gesetzen alle Spenden von mehr als 5.000 Pfund (108.777 S) veröffentlicht werden.

Auch nur der Verdacht von Geheimniskrämerei und Habgier steht einer Regierung nicht gut an, die 1997 mit dem Anspruch angetreten war, nach Jahren von "Sumpf und Korruption" unter den Konservativen für Sauberkeit in der Politik zu sorgen. "Wir sind gewählt worden, um denen ehrlich zu dienen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben", erklärte Premierminister Tony Blair bei seinem Amtsantritt.

Der "Guardian" erinnert Blair am Mittwoch daran, dass er vor allem wegen des Versprechens gewählt wurde, in der Politik neue Wege zu gehen. In der Frage von mehr Moral und Transparenz in der Politik sei der "Fortschritt unter Labour bisher lückenhaft", moniert das Blatt.

Labour war schon wenige Monate nach der Regierungsübernahme in Sachen Spenden ins Fettnäpfchen getreten. Die Partei setzte sich dem Verdacht aus, dass eine Spende von einer Million Pfund des Formel-Eins-Chefs Bernie Ecclestone mit Auflagen verbunden war. Blair hatte das Geld des Sportmillionärs und Labour-Freundes angenommen, bevor Großbritannien aus der EU-Politik ausscherte und ein Verbot der Tabakwerbung bei Formel Eins Autorennen verschob. Labour gab die Spende zurück.