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Blaue Briefe noch vor Weihnachten?

Von Eva Stanzl

Wirtschaft
Ausgespielt? Klavierhersteller mit Verlusten.Foto: Bösendorfer

Bösendorfer vor Krisenversammlung. | Angst vor Verlagerung der Produktion. | Wien. Countdown für die Firma Bösendorfer: Für heute, Donnerstag, ist eine Mitarbeiterversammlung anberaumt. Doch niemand weiß, was der Anlass dafür ist. Bösendorfer-Chef Yoshichika Sakai gibt sich verschlossen: "Herr Sakai bittet um Verständnis. Er will die Mitarbeiter zuerst informieren", heißt es aus seinem Sekretariat.


Angesichts der tristen Zahlen und der kargen Kommunikationspolitik dominiert die Angst vor Kündigungen. "Wir wissen nichts, es gibt nicht einmal eine Tagesordnung", sagt Betriebsratsobmann Stefan Radschiner: "Das Management hätte die Pflicht, uns zu informieren." Er setzt nach: "Bei einer bösen Nachricht führt kein Weg an ordentlichen Betriebsvereinbarungen vorbei."

Was waren die Ziele, als der japanische Mischkonzern Yamaha Ende 2007 den verlustträchtigen Klavierhersteller um 15 Mio. Euro der Bawag abkaufte? Binnen drei Jahren wollte Bösendorfer schwarze Zahlen schreiben und 400 bis 500 Pianinos und Flügel jährlich verkaufen. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden aber nur an die 300 Klaviere verkauft und ein Verlust von rund 3,5 Mio. Euro gemacht.

Nun kommt sogar Hiroo Okabe, Chef der Musiksparte bei Yamaha, zur Versammlung nach Österreich: Es geht um die strategische Ausrichtung. Die "Yamaha Total Piano Strategy" soll mit der Strategie von Marktführer Steinway mithalten und alle Tasteninstrumente abdecken, vom Keyboard bis zum Konzertflügel. Der einstige k.u.k.-Lieferant Bösendorfer ist nur ein Teil der Produkt-Palette - die Frage ist, wie er am besten hineinpasst.

Die Tagesordnung fehlt

Andere Sparmaßnahmen haben bereits begonnen. Der Klavierhersteller hat seinen Mietvertrag im Stammhaus Wien gekündigt und legt Produktion und Vertrieb zusammen. In der Fabrik in Wiener Neustadt sind neue Büros in Bau - was gegen eine Produktionsverlagerung nach Japan spricht.