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Blauer Dunst aus zweiter Hand fordert seine Opfer

Von Christian Strohmann

Gastkommentare

Die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung ist nach wie vor den ungesunden Wirkungen von Zigarettenrauch aus zweiter Hand ausgesetzt, der jährlich über 600.000 frühzeitige Todesfälle verursacht, das stellt ein neuer UNO-Bericht fest. Diese Tendenz setzt sich fort, obwohl 2008 sieben weitere Staaten ein generelles Rauchverbot an öffentlichen Plätzen erlassen hatten. Laut der Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im vergangenen Jahr selbst nach der Ausweitung von Rauchverboten lediglich 5,4 Prozent der Weltbevölkerung in gesetzliche Schutzmaßnahmen für Nichtraucher einbezogen.


"Die Tatsache, dass weltweit noch immer mehr als 94 Prozent der Bevölkerung nicht durch umfangreiche Rauchverbotsgesetze geschützt sind, zeigt, wie viel Arbeit noch zu tun bleibt", sagt der stellvertretende WHO-Direktor für nicht übertragbare Krankheiten und mentale Gesundheit, Ala Alwan. "Dringendes Handeln ist erforderlich, um die Menschen vor Tod und Krankheiten zu bewahren, die durch das Inhalieren von fremdem Tabakrauch verursacht werden." Es gibt keine Grenzwerte, die überschritten werden müssen, bevor Passivrauch als Gefahr gilt.

Die WHO will ein rauchfreies Umfeld nicht nur deshalb zum zentralen Gegenstand ihres Berichts machen, weil Passivrauchen tötet, sondern auch, weil es Verkrüppelungen und Entstellungen sowie jährliche ökonomische Verluste von vielen Millionen Dollar verursacht. Den Menschen nur zu sagen, dass Rauchen schädlich ist, reicht dabei nicht aus. Die Regierungen müssten die WHO-Konvention zur Tabakkontrolle aus dem Jahr 2005, die von fast 170 Staaten ratifiziert wurde, auch in die Tat umsetzen.

Der Genuss von Tabak bleibt die führende vermeidbare Todesursache, der mehr als fünf Millionen Menschen pro Jahr erliegen. Wenn nicht dringende Schritte zur Kontrolle der Tabakepidemie eingeleitet werden, könnte diese Zahl laut WHO-Analyse auf jährlich acht Millionen Tote im Jahr 2030 ansteigen.

Allein im rauchfreudigen Österreich, wo 47 Prozent der Erwachsenen regelmäßig und 31,5 Prozent der Jugendlichen zumindest einmal in der Woche zur Zigarette greifen, sind jene schlimm dran, die der Sucht ihrer Mitmenschen ausgeliefert sind. Vier Nichtraucher sterben hier täglich an den Folgen des Passivrauchens.

Was für den Passivraucher noch als besonders negativer Umstand dazu kommt: Den Rauch atmet er im Gegensatz zum Aktivraucher ungefiltert ein. Aufgrund dieses unfreiwillig eingeatmeten Rauches - am Arbeitsplatz, in Lokalen oder wo auch immer - sterben laut einer Statistik der Österreichischen Krebshilfe jährlich 1000 Österreicher an Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall, außerdem gehen jedes Jahr rund 90 Lungenkrebs-Tote auf das Konto des Passivrauchens.

Christian Strohmann war Leiter des UNO-Informationsdienstes in Wien und arbeitet gegenwärtig als Pressechef des Sekretariats für die Aids-Konferenz, die im Juli 2010 in Wien stattfindet.

"Passivrauchen tötet:

In Österreich sterben täglich vier Menschen an den Folgen der

Nikotinsucht ihrer Landsleute."

"Es reicht nicht aus,

den Menschen nur zu sagen, dass Rauchen schädlich ist. Auch die Regierungen müssten endlich handeln."