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Blauer Kampf um knappe Mandate

Von Von Walter Hämmerle

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In der nach außen gern zur Schau getragenen Familienidylle der Strache-FPÖ gibt es Hinweise auf erste Risse. | Nach außen hin ist in der FPÖ nach der Abspaltung des BZÖ im vergangenen Jahr wieder die große Harmonie eingekehrt. Die Freiheitlichen, so lautet die Botschaft an die Wähler, sind endlich wieder eine große Familie. Vorbei die endlosen Streitereien unter Parteifreunden, die den Medien - sehr zum Verdruss der eigenen Anhänger - Stoff ohne Ende lieferten.


Intern ist jedoch längst nicht alles eitel Wonne. Hinter vorgehaltener Hand ist von Spannungen zwischen dem Kreis rund um Parteichef Heinz-Christian Strache und den Vertretern des nationalen Flügels zu hören. Der große Druck von außen, der unmittelbar nach dem Absprung von Jörg Haider, der gesamten blauen Regierungsmannschaft und der überwiegenden Mehrheit des freiheitlichen Parlamentsklubs die Rest-FPÖ zusammen schweißte, ist längst weggefallen. Der Kampf um die besten Listenplätze für die Nationalratswahlen am 1. Oktober ist entbrannt.

In die Karten will sich die Parteiführung dabei derzeit jedoch noch nicht blicken lassen. Neben Spitzenkandidat Strache kann derzeit nur Barbara Rosenkranz sicher sein, auch dem nächsten Nationalrat wieder anzugehören. Sie kandidiert in Niederösterreich als Listenerste, auf der Bundesliste ist für sie Platz zwei hinter Strache fix reserviert.

Auch Volksanwalt Ewald Stadler geht davon aus, ab Herbst wieder im Parlament Platz nehmen zu können. Gegenüber der "Wiener Zeitung" erklärt er, Platz zwei in Niederösterreich sei bereits ausgemacht. Ein Comeback des blendenden Redners müsste sich angesichts der derzeitigen Umfragewerte, die zwischen 6 und 8 Prozent schwanken, damit locker ausgehen.

Nur: In der Parteizentrale will man das partout so nicht sagen. Harald Vilimsky, als Generalsekretär Straches rechte Hand, erklärt, angesprochen auf die Ambitionen Stadlers, nur: "Er hat gesagt, er will kandidieren - wir nehmen das zur Kenntnis." Dass Stadler als ehemaliger Klubobmann und ausgezeichnete Kenner aller parlamentarischen Tricks und Finessen unbedingt dem nächsten Nationalrat angehören sollte, will Vilimsky nicht über die Lippen kommen: "Die FPÖ hat viele wichtige Persönlichkeiten, deshalb halte ich mich mit persönlichen Wertungen zurück."

Weiter Bangen muss auch Reinhard Bösch, neben Rosenkranz derzeit der einzige bekennende Blaue im Nationalrat. Der Spitzenkandidat der Vorarlberger FPÖ bei den Wahlen 2002 ist bei seiner Landesgruppe in Ungnade gefallen. Statt ihm kandidiert nun der weithin unbekannte Bernhard Themessl als Nummer eins auf der Landesliste. Der Name Böschs scheint dagegen nicht mehr auf. Er muss nun auf einen aussichtsreichen Platz auf der Bundesliste hoffen.

Stadler jedenfalls will von neuen Spannungen in der FPÖ zwischen Parteiführung und Nationalen nichts wissen: "Die Nationalen sind in der FPÖ längst kein bloßer Flügel mehr. Das ist endgültig vorbei seit sich die orange Truppe verabschiedet hat."