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Blaugelbe Schmallippigkeit

Von Christina Böck

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Man würde von einem Unternehmen, das seinen Produkten seit jeher alberne Namen gibt, doch etwas mehr Humor erwarten. Gut, dass es Pubertierende und Spätpubertierende mitunter reichlich lustig finden, wenn ein Bett "Gutvik" heißt" oder eine Matratze sogar "Hamarvik", damit kann Ikea im Vorfeld echt nicht rechnen. Aber ein Regal Billy taufen, das muss einem auch erst einmal einfallen.

Jedenfalls enttäuscht das Möbelhaus dieser Tage mit Schmallippigkeit. Es hat nämlich einem Blog, den es seit auch schon acht Jahren gibt, eine Unterlassungserklärung geschickt. Auf dem Blog, ikeahackers.net, finden sich Gebrauchsanweisungen, wie man aus Ikeaprodukten kreatives Mobiliar basteln kann. Also etwa aus einer Reibe eine Tischlampe oder aus einem Zeitschriftenhalter und einem Hocker einen Couchtisch. Nun hat Ikea der Betreiberin des Blogs verboten, den Firmennamen zu verwenden. Aus Angst vor einem Rechtsstreit mit einem übermächtigen Gegner hat die Bloggerin beschlossen, einen neuen Titel und eine neue Domain zu suchen.

Wir rekapitulieren: Dieser Blog hat ein paar tausend Klienten, Ikea hat Millionen. Es gibt ja kaum eine Wohnung, in der nicht ein Billy herumsteht. Schade, dass der Möbelgigant den Bastelblog nicht als das sieht, was er ist: eine Hommage von kreativen Menschen, die ohnehin Ikeakunden sind. Kreativität ist übrigens eine der Tugenden, die im Ikeakatalog jahraus, jahrein gepredigt werden. Man müsste schon aushalten können, wenn sich der Erfindungsgeist nicht nur im Umdrapieren von Teelichthaltern ausdrückt.