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Blecha fordert Debatte über Altersteilzeit

Von Brigitte Pechar

Politik

Pensionistenchef Blecha rät zu skandinavischem Modell. | „Altersteilzeit ist teuer und bringt wenig.”


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Wien. „Wir müssen offen darüber reden, ob die geblockte Altersteilzeit dem Ziel, das tatsächliche Pensionsalter an das Regelpensionsalter heranzuführen gerecht wird und ob das eine vertretbare und finanzierbare Form ist”. Der Präsident der SPÖ-Pensionisten, Karl Blecha, macht keinen Hehl daraus, dass er gegen diese geblockte Form der Altersteilzeit ist, aber er weiß auch, dass der ÖGB gerade diese Form wünscht.

Auch die ÖVP-Senioren sind gegen das Blocken der Altersteilzeit. Abgeordnete Gertrude Aubauer fordert ebenfalls alternative Modelle dazu von der Regierung.

Im Gespräch mit der „Wiener Zeitung” kritisiert Blecha, dass das derzeitige System der Altersteilzeit zu teuer ist und nur wenigen etwas bringe. 16.400 Menschen sind in Altersteilzeit, die Kosten dafür liegen bei rund 270 Millionen Euro. Von 2000 bis 2010 wurden für die Altersteilzeit 3,5 Milliarden Euro ausgegeben. Das Geld kommt aus dem Budgettopf der Arbeitslosenversicherung.

Das Zugangsalter für Altersteilzeit beträgt 53 Jahre für Frauen und 58 Jahre für Männer. Beim Blockmodell beträgt der Kostenersatz für den Arbeitgeber 50 Prozent (bis Ende 2010 waren es 55 Prozent), bei kontinuierlicher Arbeitszeit 90 Prozent. Fünf Jahre geblockt heißt: Die Menschen arbeiten zweieinhalb Jahre lang Normalarbeitszeit und sind zweieinhalb Jahre „frei”. Ältere sollten das Recht haben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, fordert Blecha - aber eben nicht, zu blocken.

So sollten Männer ab 62 Jahren das Recht haben, ihre Arbeitszeit zu verkürzen. „Um das faktische Pensionsantrittsalter zu erhöhen, müssen wir das Rad nicht neu erfinden”, sagt Blecha. Man müsse nur umsetzen, was in Skandinavien bereits funktioniert. Dort wird versucht, die Menschen möglichst lange im Arbeitsprozess zu halten. In Österreich liegt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei 58 Jahren. Eine rasche Anhebung auf 62 Jahre würde das Pensionssystem bereits sichern.

Um die Menschen länger fit zu halten, fordert der Chef der SPÖ-Pensionisten, dass für Mitarbeiter ab 45 Jahren verpflichtende Gesundenuntersuchungen eingeführt werden. Außerdem müsse rechtzeitig begonnen werden, Mitarbeiter, von denen man weiß, dass sie ihre Arbeit nicht bis 65 ausüben können, rechtzeitig umzuschulen.

Malus für Betriebe, die Ältere hinausmobben

Man müsse aber auch gegen Betriebe vorgehen, die ihre älteren Mitarbeiter hinausmobben. Sie sollten die Kosten der Arbeitslosigkeit des Mitarbeiters bis zu dessen Pensionierung zur Gänze tragen. Nach dem Motto „Wer das Versicherungsrisiko herbeiführt, muss zahlen”, sagt Blecha. Andererseits kann er sich aber auch vorstellen, Betriebe, die gesundheitlich eingeschränkte Arbeitnehmer weiter beschäftigen, durch Zuschüsse zu belohnen.

Blecha fordert aber auch, dass für ältere Arbeitnehmer wieder Beschäftigungsprogramme geschaffen werden. Das habe es unter Sozialministerin Lore Hostasch Anfang der 90er Jahre schon gegeben.

Exportorientierten Unternehmen rät Blecha, ihre älteren Mitarbeiter auf Kotrollreisen ins Ausland zu schicken. Diese hätten Erfahrung und könnten so die Qualität sichern. Es brauche jedenfalls ein Bündel an Maßnahmen. „Ältere Arbeitnehmer sind zu wichtig und zu wertvoll, als dass man sie in die Frühpension abschiebt”, betonte er.