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Bleiben nur für Bleibende

Von Christian Rösner

Politik
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Sehnsucht Gemeindebau - zumindest, was den Preis betrifft.
© Jenis

Wiener Wohnen hilft nur Studenten, die sich in Wien niederlassen wollen.


Wien. Während bei den jungen Menschen die Wohnungsnot in der Stadt seltsame Blüten zu treiben scheint und man sich bereits eigenen Castings stellen muss, um ein Zimmer zu ergattern, verweist man im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig auf die speziellen Angebote, die Wien exakt für diese Zielgruppe bereithalte.

So gebe es etwa eine eigene Wohnungsaktion für Studierende - diese könnten etwa von Wiener Wohnen einmalig ein Wohnungsangebot für eine Ein-Zimmer-Wohnung erhalten. Die Wohnungsgröße beträgt dabei durchschnittlich 25 bis 35 Quadratmeter. Allerdings gilt es hier, einige Voraussetzungen dafür zu erfüllen: Alter unter 26 Jahre, Haupt- oder Nebenwohnsitz in einem Wiener Studentenheim, durchgehende Meldung im Studentenheim seit mindestens einem Jahr sowie Nachweis der Inskription an einer Wiener Universität oder Fachhochschule. Darüber hinaus müssen bestimmte Einkommensobergrenzen eingehalten werden.

Das gelte auch für Lehrlinge und Jungarbeitnehmer - sofern sie ebenfalls unter 26 Jahre alt sind, keinen Hauptwohnsitz in Wien haben, einen mindestens einjährigen Hauptwohnsitz in einem anderen Bundesland und ein aufrechtes Lehrverhältnis in Wien nachweisen können.

Und im Vergleich zu den gängigen Zimmerpreisen in den Wohngemeinschaften seien die Gemeindewohnungen wesentlich günstiger: "Die Miete für eine 30-Quadratmeter-Wohnung, Kategorie A, beträgt rund 155 Euro netto. Für dasselbe in Kategorie B 116 Euro", erklärt ein Sprecher von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig.

"Zu aufwendig und unsicher"

"Zu aufwendig und unsicher", meinen dennoch betroffene Studenten zur "Wiener Zeitung". "Mit dem Inskriptionsnachweis kann ich schon dienen, aber wie soll ich nachweisen können, dass ich schon ein Jahr lang in einem Studentenheim wohne, wenn ich gerade erst zu studieren begonnen habe", meint etwa eine Tirolerin. Da nimmt sie lieber das ihrer Meinung nach noch immer unbürokratischere WG-Casting auf sich - auch wenn sie am Ende 350 Euro im Monat nur für ein einzelnes Zimmer bezahlen muss.

Außerdem gehe die Zimmersuche wesentlich schneller vonstatten als die Anmeldung für eine Gemeindewohnung. Das muss man sogar im Stadtratsbüro zugeben - "die Wartezeit für eine Gemeindewohnung beträgt laut jüngstem Kontrollamtsbericht durchschnittlich ein Jahr und drei Monate", so der Sprecher.

Allerdings gibt man bei der Stadt auch zu bedenken, dass die Gemeindewohnungen primär für die Wohnversorgung der Wiener vorgesehen sind. "Wenn ich für ein paar Semester nach Tirol komme, um dort zu studieren, bekomme ich ja auch nicht gleich eine Gemeindewohnung", heißt es aus dem Büro von Ludwig. "Aber wenn zum Beispiel Studenten daran interessiert sind, länger in Wien zu blieben, dann sind wir natürlich auch daran interessiert, sie dabei zu unterstützen."

Was die "Kurzbesucher" betrifft, verweist man auf die Studentenheime oder eben auf das private Angebot in der Stadt. Aber es wird auch betont, dass man in den vergangenen Jahren gerade für junge Menschen aus den Bundesländern viele Barrieren in diesem Bereich abgebaut habe. "Früher mussten immerhin zwei Jahre Hauptwohnsitz in Wien nachgewiesen werden - und das wurde extrem gelockert", so der Sprecher.