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Blinde sehend, Menschen hellhörig machen

Von Heiner Boberski

Wissen

"Licht für die Welt" hat in 25 Jahren 7,5 Millionen Menschen geholfen.


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Wien. 502.212 Operationen am Grauen Star wurden ermöglicht, 247.430 Kinder mit Behinderungen betreut, 103 Millionen Euro für humanitäre Projekte verwendet. Das ist die 25-Jahre-Bilanz der Organisation "Licht für die Welt", die deren Geschäftsführer Rupert Roniger in einer Pressekonferenz zum Jubiläum präsentierte. Insgesamt erreichten die Hilfsmaßnahmen mehr als 7,5 Millionen Menschen.

"Licht für die Welt", entstanden aus der vom evangelischen Pastor Ernst Jakob Christoffel (1876-1955) initiierten "Christoffel Blindenmission", unterstützt aktuell 151 Projekte in 16 Ländern und hat drei Hauptanliegen: die Verbesserung augenmedizinischer Versorgung, die Förderung behinderter Kinder und die Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern.

Von der einen Milliarde Erdenbewohnern, die behindert sind, leben 85 Prozent in Entwicklungsländern, von den 39 Millionen blinden Menschen sogar 90 Prozent. Dabei seien rund 80 Prozent aller Erblindungen vermeidbar oder behandelbar, sagt die Wiener Augenärztin Irene Ruhswurm, aber viele Betroffene leben in entlegenen Regionen Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas, wo bittere Armut herrscht, kaum medizinische Versorgung besteht und vielleicht ein Augenarzt auf eine Million Menschen kommt. Viele österreichische Augenärzte haben bereits für "Licht in die Welt" Mediziner aus Entwicklungsländern aus- und weitergebildet.

Als die drei Hauptursachen für Blindheit nennt Ruhswurm den Grauen Star, Vitaminmangel und Infektionskrankheiten. Während beim Grauen Star Hilfe durch eine Operation möglich ist, führt die Infektionskrankheit Trachom, wenn nicht rechtzeitig behandelt, sehr schmerzhaft zu irreversibler Erblindung: Die Augenlider drehen sich nach innen und zerkratzen die Hornhaut.

"Es ist die Erkrankung der Ärmsten der Armen", sagt der äthiopische Augenarzt Amir Bedri. Dass man sie besiegen könne, habe sich in Südostasien gezeigt, wo Trachom mit dem wirtschaftlichen Aufschwung beseitigt wurde. Bedri betont, das Ziel von "Licht in die Welt" für die nächsten zehn Jahre sei, dass in Äthiopien kein Mensch mehr an Trachom erblinden muss.

Um 30 Euro kann man ein Augenlicht retten

Für die Rechte behinderter Menschen setzt sich die als Kind erblindete Äthiopierin Yetnebersh Nigussie ein. Die 31-Jährige hat Jus studiert und plädiert für eine gemeinsame Bildung aller Kinder, damit auch behinderte Kinder zu einem unabhängigen Leben befähigt werden. Ihr Appell bei der abendlichen Jubiläumsgala in Wien: "Kein Kind darf zurückgelassen werden!"

Bei dieser Gala hob Bundespräsident Heinz Fischer hervor, dass bereits für den Durchschnittsösterreicher relativ leicht verkraftbare Summen viel bewirken können: Eine Spende von 30 Euro an "Licht für die Welt" ermöglicht eine Operation am Grauen Star, als Pate kann man mit 25 Euro pro Monat ein behindertes Kind fördern. Der scheidende Caritas-Präsident Franz Küberl lobte, dass sich diese Organisation am Prinzip "Hinschauen, hingehen, anpacken!" orientiere, und forderte eine Trendwende in der Entwicklungspolitik: Diese müsse aus ihrem "elendiglichen Schattendasein" herausgeholt werden.