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Blitz-Ehe mit russischem Oligarchen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Deripaska steigt mit 30 Prozent bei der Strabag ein. | Zweitreichster Russe zahlt dafür 1,2 Milliarden. | Börsegang auf Herbst verschoben. | Russland-Boom soll "Rubel" künftig kräftig rollen lassen. | Wien. Die Überraschung ist dem Bau-Löwen Hans-Peter Haselsteiner perfekt gelungen: In buchstäblich letzter Minute vor dem für Mai angepeilten Börsegang hat der Industrielle für seine Strabag, den sechstgrößten europäischen Baukonzern, einen schwergewichtigen russischen Partner sprichwörtlich aus dem Hut gezaubert. Als dritter Kernaktionär neben Haselsteiner und Raiffeisen/Uniqa wird der russische Oligarch Oleg Deripaska in das Unternehmen geholt.


Haselsteiner beteiligt ihn mit 30 Prozent. Für seinen Einstieg macht Deripaska in Summe 1,2 Milliarden Euro flüssig. Der Börsegang liegt nun vorerst auf Eis, soll aber noch heuer im Herbst nachgeholt werden.

Deripaska gilt als zweitreichster Russe nach Roman Abramowitsch. Ihm werden in seinem Land exzellente politische Kontakte nachgesagt. Ein Teil seiner zahlreichen Firmen ist auch in der Baubranche tätig. Der Strabag soll Deripaska auf ihrem Weg, die unendlichen Weiten Russlands geschäftlich zu erschließen, künftig weitere Türen öffnen.

"Für die Strabag ist das eine einmalige Chance", so Haselsteiner. "Mit Deripaska haben sich über Nacht Möglichkeiten eröffnet, den Markt viel besser als bisher zu bearbeiten." Haselsteiners erklärtes Ziel ist, "seine" Strabag eines Tages zur Nummer eins in Europas Baubranche zu machen. Den Schlüssel dafür sieht er im russischen Markt, der europaweit am stärksten wächst und von der Größe her noch vor Deutschland kommt.

Gemeinsam bewegen die Strabag und die Baufirmen Deripaskas in Russland derzeit ein Umsatzvolumen von mehr als 2 Milliarden Euro (400 Millionen entfallen auf die Strabag, 1,5 Milliarden auf Deripaska und der Rest auf Projekte, die man in der Pipeline hat). "Mit der Kooperation ist nun ein viel schnelleres Wachstumstempo möglich", betonte Haselsteiner am Mittwoch in einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Der Mega-Deal im Detail

Geschlossen haben die Strabag-Altaktionäre um Haselsteiner die Ehe mit Deripaska im Eilverfahren. Ein erstes Gespräch habe es "vor nicht ganz drei Wochen gegeben". Dabei hat es sofort gefunkt: Laut Haselsteiner war die strategische Übereinstimmung "perfekt". Vor zwei Tagen wurden dann alles auch vertraglich fixiert. Konkret erwirbt Deripaska 28,5 Millionen Strabag-Aktien zu einem Preis von je 42 Euro, insgesamt investiert er 1,2 Milliarden Euro. Von den 28,5 Millionen Aktien stammen 25 Millionen aus einer Kapitalerhöhung, wodurch dem Konzern 1,05 Milliarden Euro für die Finanzierung seiner Expansionspläne in die Kassen fließen. Weitere 3,5 Millionen Stück kauft Deripaska aus den Beständen von Haselsteiner und Raiffeisen, die dabei in Summe 147 Millionen Euro kassieren.

Börsegang kommt noch

Mit der Zufuhr frischen Geldes für die Strabag wird die zuletzt ausgezehrte Kapitaldecke etwas gestärkt. Nach dem rasanten Wachstumskurs der vergangenen Jahre hatte die Eigenkapitalquote weniger als 20 Prozent betragen, Zielwert Haselsteiners sind 25 Prozent als komfortabler Polster. Dafür ist aber eine weitere Kapitalzufuhr notwendig. Haselsteiner hält daher an seinen Börse-Plänen fest: Der Gang an die Wiener Börse ist deshalb nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.

Im Herbst will Haselsteiner die Strabag, deren aktueller Marktwert bei 4 Milliarden Euro liegt (auf Basis des für Deripaska fixierten Preises), an die Börse bringen. "Für diesen Börsegang haben wir Platz in der Dimension wie der ursprünglich geplante", so der Kärntner Bau-Tycoon. Demnach wäre er bis zu 1,5 Milliarden Euro schwer. Zum Umfang der Emission kündigte Haselsteiner vorab an, dass 15 Millionen neue Strabag-Aktien und 12,5 Millionen Altaktien - insgesamt also 27,5 Millionen Stück - verkauft werden sollen.

Ein Viertel Streubesitz

Wie der Konzernchef weiter erklärte, werden die drei Strabag-Kernaktionäre nach dem Börsegang noch jeweils "25 Prozent und eine Aktie" halten. Ein knappes Viertel der Anteile wird dann im Publikum breit gestreut sein.

Mit dem Einstieg von Deripaska sinkt der Anteil Haselsteiners von bislang 50 Prozent plus einer Aktie auf rund 35 Prozent. Gleiches gilt für die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und den Wiener Versicherer Uniqa, die an der Strabag bisher zu gleichen Teilen mit zusammen 50 Prozent minus einer Aktie beteiligt waren.

Deripaska im Syndikat

Der Chef der Raiffeisen-Holding, Erwin Hameseder, begrüßt den Einstieg Deripaskas: "Das ist kein kurzfristiger Investor, sondern ein strategischer Partner." Deripaska wird auch in das bestehende Aktionärssyndikat aufgenommen. Wegen Deripaska wird übrigens wohl auch ein Pflichtangebot der Strabag an die Streubesitz-Aktionäre ihrer börsenotierten Deutschland-Tochter fällig werden. Die deutsche Finanzaufsicht dürfte auf ein solches Offert bestehen.

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