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Bloß nicht zu genau nachschauen

Von Christina Böck

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Bei einer Papstwahl muss alles spektakulär sein. Das gehört sich einfach so. Spektakulär war es auch, dieses eine Foto, das die Menge auf dem Petersplatz zeigt, wie sie ihre erwartungsvoll leuchtenden Smartphones und Tablets in die Höhe reckt, um den Moment, in dem der neue Papst sich zeigt, festzuhalten. Es dauerte nicht lange, und ein US-TV-Sender hatte ein Bild von der vorigen Papstwahl, die ja nur acht Jahre zurückliegt, dazumontiert. Ein einziges kleines Fotohandy ist da bei der Arbeit. Ansonsten warten die Menschen geduldig und technologiefrei.

Ein spektakulärer Sprung von einer Ära in die nächste, jubelte da die naturgemäß technikaffine Internetgemeinde, während sich diese Montage auf den sozialen Medien verbreitete. Allein, es stimmt gar nicht. Denn Recherchen haben ergeben, dass das Bild von 2005 gar nicht in der vermuteten Situation aufgenommen wurde. Sondern bei einer Trauerveranstaltung für Johannes Paul II. Die Bilder, die aufgenommen wurden, als Benedikt XVI. auf den Balkon trat, sehen dem aktuellen deutlich ähnlicher: Denn auch damals gab es Digitalkameras in nahezu jedermanns Haushalt, und auch damals wollten die Menschen den historischen Moment dokumentieren.

Nun ist es ja keineswegs verwerflich, dass man sich immer moderner fühlen will als die frühere Generation - oder als die Menschen vor acht Jahren. Aber dies ist doch ein schönes Beispiel dafür, wie sich Information im Internet verselbständigt. Und eine ganz gute Gelegenheit, sich wieder einmal daran zu erinnern, dass nicht alles, was getwittert wird, auch stimmen muss.