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Blubber, Moor und Heilquelle

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Tausende Blubberbläschen machen es sich auf dem Körper bequem und lösen sich nach und nach wieder in Luft auf - ein reges Kommen und Gehen: Das Kohlensäurebad (CO2) ist eines von drei natürlichen Heilvorkommen des Kurortes Bad Tatzmannsdorf im Burgenland. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der medizinische Gebrauch des "Sauerwassers" als Trinkkur und Bad im Jahr 1621 in der Regensburger Chronik. Das CO2-Bad hilft, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Durchblutungsstörungen zu lindern.


"Es gibt eine gar nicht so kleine Zahl von Patienten, die sich nach dem Bad aufgedreht fühlt, als ob sie ein Aufputschmittel genommen hätten", beschreibt Herbert Melchart, Leiter des Kurzentrums, eine mögliche Folge vom Baden im kohlensäurehaltigen Wasser. Obwohl das CO2-haltige Wasser nicht mehr als 35 Grad haben sollte, um aus medizinischer Sicht sinnvoll zu sein, wird das Baden subjektiv wärmer empfunden, als es tatsächlich ist: Die Haut nimmt das CO2 auf, im Blut wird es zur Lunge transportiert und wieder abgeatmet. So wird etwa die Durchblutung gesteigert und die Blutfließ-

eigenschaft verbessert. Ist das Blubberbaden auch zu Hause möglich? "Das ist kein Problem", meint Melchart. "So lange Sie die 280 Liter Mineralwasser, die man dafür benötigt, nach Hause schleppen möchten."

Roter Kopf, mehr Spektakel

Geht es nach Kurarzt Melchart, befindet sich das Kohlensäurebad gemessen am "Spektakel"- Grad trotz der vielen Blubberbläschen nur an zweiter Stelle der Kuranwendungen von Bad Tatzmannsdorf: "Bei den Moortherapien hat man das Gefühl, es tut sich mehr. Da hat man danach auch einen roten Kopf", erzählt Melchart. Tatsächlich: Der erste Eindruck gibt dem Kurarzt Recht. Es scheint spannender, sich auf eine warme, "gatschige" Fläche zu legen, als sich in eine Wanne voll Kohlensäurewasser zu setzen. Abgesehen vom Grad des "Spektakels" können die beiden Therapien wohl nicht verglichen werden, da Moor und CO2 jeweils für die Behandlungen verschiedener Beschwerden angewendet werden. Das Moor kann eine hohe Temperatur (maximal 46 Grad Celsius bei Packungen, maximal 42 Grad bei Bädern) sehr lange konstant halten und weist entzündungshemmende Inhaltsstoffe auf. Die "heilende Erde" wird bei Frauenleiden eingesetzt, mit Moorpackungen werden außerdem chronische Erkrankungen des Bewegungsapparats (Gelenke, Wirbelsäule, Sehnen, Bänder, Muskel) und Rheuma behandelt. Rund zwei Drittel der Kurgäste von Bad Tatzmannsdorf haben Beschwerden im Bewegungsapparat. Verordnet werden können Halb-, Dreiviertel- und Vollbäder bzw. eine Packung zur lokalen Anwendung.

Plantschen im Thermalwasser

Vergleichsweise spät - 1988 - wurde in Bad Tatzmannsdorf ein drittes Heilvorkommen entdeckt, das Thermalwasser. Aus 896 Metern Tiefe wird das 34 Grad warme Wasser an die Erdoberfläche geleitet. Das Wasser hilft bei Beschwerden des Bewegungsapparates sowie bei der Erholung nach chronischen Erschöpfungszuständen. Von Kuranwendungen abgesehen, kann in mit Leitungswasser verdünnten Thermalwasser-Pools geplantscht werden.