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Blut, Schweiß und Tränen warten auf die griechischen Lebenskünstler

Von Walter Hämmerle

Analysen

"Den Griechen geht es so schlecht, wie sie es verdienen." Dieser Satz stammt von einem, der den Alltag im Touristenparadieses seit Jahrzehnten aus eigener Erfahrung kennt: Verschwendung, Korruption und die Lust am kleinen Betrug auf Kosten der (europäischen) Allgemeinheit treffen hier auf eine augenzwinkernde Chuzpe, die sich aus der Erfahrung speist, irgendwie doch noch immer einen meist schmerzlosen Ausweg aus dem Schlamassel gefunden zu haben.


Das hat lange gut funktioniert. Leider zu lange für die Griechen, muss man heute mit Bedauern feststellen. Denn was jetzt auf das Land und seine Bürger im südöstlichsten Zipfel Europas zukommt, sind - volkswirtschaftlich gesprochen - Blut, Schweiß und Tränen. Es gilt den absurd aufgeblähten öffentlichen Sektor, über den - auf direkten oder indirekten Wegen - ein Großteil der Griechen zu seinem Einkommen findet, auf ein gesamtwirtschaftlich verträgliches Maß zurückzuschrauben.

Ob die bei den Wahlen im Herbst an die Macht gekommene sozialdemokratische Pasok-Regierung die Kraft dazu haben wird, steht auf einem anderen Papier. Auf einen breiten innenpolitischen Schulterschluss angesichts der Herausforderungen kann sie nicht zählen, wie das Abstimmungsergebnis über das Budget 2010 am Donnerstag deutlich machte: Die konservative Opposition lehnte den Haushaltsplan ab.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass auch die allzeit kampfbereiten Gewerkschaften auf die Barrikaden gehen werden. Hinzu kommt das ohnehin hohe Gewaltpotenzial in der griechischen Hauptstadt, wo Randalierer vom linksextremen Rand regelmäßig für Krawalle sorgen.

Bleiben als wichtigste Antriebskraft für die Umsetzung eines eisernen Sparkurses die europäischen Partner Griechenlands. Die haben angesichts der offensichtlich jahrelang manipulierten Budgetzahlen große Geduld mit dem wirtschaftlichen Sorgenkind gehabt, auch weiterhin über die Taschenspielertricks der Hellenen hinwegzuschauen kann sich die Union jedoch nicht länger mehr leisten: Die zerrütteten öffentlichen Finanzen Griechenlands haben die Gemeinschaftswährung seit Anfang Dezember auf Talkurs geschickt. Am Donnerstag notierte der Euro nurmehr bei 1,43 US-Dollar - vor drei Wochen lag der Kurs noch bei 1,51 USD. Für die Exportwirtschaft bedeutet das zumindest ein klein wenig Erleichterung.

Die Gefahr für den Euro und die finanzpolitische Glaubwürdigkeit der Europäischen Union liegt im möglichen Dominoeffekt des griechischen Beispiels: Portugal, Italien, Irland, auch Spanien haben ähnliche strukturelle Probleme wie das Land an der Ägäis. Gerät auch deren Stabilität an den internationalen Finanzmärkten in Zweifel, kommt ganz Europa ins Rutschen.