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Blütenstaub, der Feind des Autos

Von Petra Tempfer

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Für manche ist es ein Symbol der Freiheit, etwa weil es einen in den Urlaub bringt. Für andere ein fahrendes Büro, in dem sich mehr Unterlagen, Zeitungen und Notizen sammeln als auf dem eigenen Schreibtisch. Einige sollen damit schon ihre Kinder in den Schlaf gefahren haben, kleine Kevins und Lisas, deren auf Aufklebern thronende Namen Nachkommenden sofort ins Auge springen. Für manche ist es einfach nur ein Transportmittel: das Auto.


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Dass Letztere bereits als schwindende Minderheit zu betrachten sind, wird in "Markt" auf EinsExtra vermittelt. Wo mit erschreckender Hingabe ein Auto (na gut, es ist ein dunkelblau blitzendes Cabrio) eine Stunde lang gesaugt, einshampooniert und poliert wird.

Fliegendreck und Vogelkot, ja sogar Blütenstaub wird zum allgegenwärtigen Feind erklärt, der dem Lack zu Leibe rückt. Sonne, Sand und Meeresluft werden ihres Zaubers beraubt - denn sie sind es, die ein Auto dauerhaft schädigen. Immer mehr Schmutz wird gezeigt, immer heftiger geputzt, was fast schon an groteskes Theater erinnert - und schließlich die erleichternde Erkenntnis bringt. Denn die Sendung würde nicht "Markt" heißen, hätte sie nicht Lösungen in Form alles entfernender Glasputzmittel und Schmutz fressender Shampoos parat. Womit sie sich selbst entlarvt, das schlechte Gewissen all jener schamlos ausgenützt zu haben, die in ihren von Rost entstellten Klapperkisten Baujahr irgendwann in den frühen 80ern eben einfach nur ein Transportmittel sehen. Und in Anbetracht der Millionen von Hundehaaren und noch mehr Bröseln in den Tiefen der Autositze beim Erblicken eines glänzenden Cabrios mitunter zwar schon vor Neid erblassen - sich jedoch sofort besinnen und stolz darauf sind, nicht Sklave ihres Autos zu sein.