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BMW: "Edle Rösser" in vollem Galopp

Von Helmut Dité, München

Wirtschaft

Kein Chef eines Automobilkonzerns weltweit lächelt derzeit entspannter als BMW-Vorstandsvorsitzender Helmut Panke. In München passt im Moment alles: Sonnenschein, 21 Grad und nur positive News bei der Bilanzpressekonferenz im "Vier-Zylinder"-Hochhaus-Hauptquartier am Petuelring: Im automobilen "Gruseljahr" 2003 haben die Bayern das Rekordergebnis des Vorjahres trotz hoher Anlaufkosten und Investitionen "gut gehalten" und trotz Modellwechsels so viele Autos wie noch nie verkauft - nämlich mehr als 1,1 Millionen.


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Und kein zweiter Automanager ist für 2004 so optimistisch wie Panke: "Wir bleiben auf dem Gaspedal". Neue Rekorde bei Absatz und Gewinn sind heuer "so gut wie sicher". Obwohl im Heimmarkt Deutschland die Autokonjunktur auch 2004 bisher eher hinkt - "Die Leute warten angesichts der endlosen Reformdebatten mit Anschaffungen ab, obwohl sie Geld haben, wie die steigende Sparquote beweist" - will die BMW-Group heuer bei allen drei Marken (BMW, Mini, Rolls Royce) erneut deutlich mehr Autos verkaufen. Eine bisher unerreichte Fülle neuer Modelle (Mini Cabrio, 6er-Coupé und Cabrio, 5er-Kombi, im Herbst dann der in der Golfklasse angesiedelte "1er" und nicht zuletzt der hervorragend gestartete "X3" - siehe Kasten) einerseits, weiteres rasantes Wachstum in den USA und im Fernen Osten andererseits dürften die angepeilte nachhaltige Positionierung des Konzerns in "einer neuen Größenordnung" sichern.

Die USA, wo man sich aus den Rabattschlachten weitest gehend heraushalten konnte, sind schon im Vorjahr mit plus 8% auf 277.000 verkauften Autos zum größten Einzelmarkt der BMW-Gruppe geworden. Ähnlich große Hoffnungen setzt man jetzt auf den Fernen Osten. Panke begrüßte die aus China und Japan angereisten Journalisten extra in ihren Landessprachen. Mehr als 93.000 Autos hat man 2003 in Fernost verkauft, 150.000 sollen es bis spätestens 2008 pro Jahr werden. Japan legte zuletzt um 7,5% zu, China, Hongkong und Taiwan um 75%. In China, wo die Produktion des "3ers" angelaufen ist, sind die "Bao ma", die "edlen Rösser" aus München überaus gefragt - besonders die großen, wie der "7er", dessen 12-Zylinder-Topversion nirgendwo besser verkauft wird als in Shanghai.

In der Bilanz 2003 weist die BMW-Gruppe einen wegen des schwachen Dollar um 2% auf 41,5 Mrd. Euro gesunkenen Umsatz von 41,5 Mrd. Euro aus - währungsbereinigt wäre ein Plus von 4,2% herausgekommen. Das Vorsteuerergebnis sank wegen der Investitionen in neue Modelle um knapp 3% auf 2,2 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss, belastet durch zusätzliche Rückstellungen für Altersteilzeitmodelle sowie Nachteile durch neue steuerliche Vorschriften, um 3,6% auf 1,95 Mrd. Euro. Der Cash flow stieg um 2,7% auf den neuen Rekord von 4,49 Mrd. Euro. Die Dividende soll für die Stammaktien um 12% auf 58 Cent, für Vorzüge um 11% auf 60 Cent erhöht werden.

Steigende Mitarbeiterzahl: "Wir suchen Ingenieure"

Die Zahl der Mitarbeiter weltweit stieg im Vorjahr auf 104.300, ein Plus von mehr als 3.000 Beschäftigten. Und - auch damit ist Helmut Panke bei der Bilanzvorlage wohl der einzige seiner Branche - der BMW-Konzern stellt weiter ein. "Wir suchen Ingenieure, vor allem im Elektrik- und Elektronikbereich", wirbt der BMW-Chef zum Abschluss und lächelt wieder. Seine Verkäufer melden ihm, dass BMW gerade den stärksten März seiner Firmengeschichte erlebt. A propos Geschichte: Am 22. März vor 75 Jahren begann BMW Autos zu produzieren. In Eisenach rollte der erste "Dixi" aus der Halle, ein "3er" mit 15 PS.