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BMW schnallt Gürtel enger

Von Helmut Dité aus Deutschland

Wirtschaft

Absatzrückgang von bis zu 20 Prozent für heuer erwartet. | 2010 soll Erholung spürbar sein. | Vorstand verzichtet auf 40 Prozent seiner Jahresgage. | München. "Krise hat, wer Krise denkt", sagt BMW-Konzernchef Norbert Reithofer - und nennt das Jahr 2009 daher eher unaufgeregt ein "Übergangsjahr", für das "derzeit keine verlässlichen Ergebnisprognosen möglich sind". Mit einem Absatzrückgang zwischen 10 und 20 Prozent rechnen die Münchner Autobauer immerhin, fast 25 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor haben sie in den ersten beiden Monaten 2009 verkauft.


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Im schon schwierigen Jahr 2008 ist BMW zwar neuerlich vom Magazin "Fortune" zum weltweit am meisten bewunderten Unternehmen der Branche gekürt worden. In der am Mittwoch in München vorgelegten Jahresbilanz aber sind bei moderat um 5 Prozent auf knapp 53,2 Milliarden Euro gesunkenem Umsatz das Ergebnis vor Steuern - 351 Millionen Euro - und der Jahresüberschuss - 330 Millionen Euro - jeweils gleich um rund 90 Prozent niedriger als 2007.

Grund für den Ergebniseinbruch ist paradoxerweise der große Erfolg der Bayern auf dem amerikanischen Markt: Seit einigen Jahren sind die USA der größte Einzelmarkt für BMW, man verkauft dort mehr Autos als beispielsweise der ganze VW-Konzern. Und jenseits des Atlantiks ist 2008 die Kreditkrise zuerst schlagend geworden, der von Leasing- und Kreditfinanzierung dominierte Automarkt am stärksten eingebrochen.

Keine Kündigungen

Allein die zusätzliche Risikovorsorge für die drastisch gesunkenen Restwerte und Kreditausfälle musste mit fast 2 Milliarden Euro in die Bücher genommen werden. Dazu kamen 455 Millionen Euro an Sonderbelastungen für den Abbau von insgesamt rund 4000 Arbeitsplätzen. 2009 soll es zwar keine Kündigungen geben, 1000 bis 1500 natürliche "Abgänger" werden allerdings nicht ersetzt.

Reithofer und sein Finanzvorstand Friedrich Eichiner stehen trotzdem besser da als so manche ihrer Mitbewerber: Operativ hat sich BMW auch 2008 verbessert, die Fixkosten konnten gesenkt, die Liquidität des Konzerns trotz der Turbulenzen auf den Finanzmärkten gleich um 86 Prozent auf mehr als 8,1 Milliarden Euro gesteigert werden.

Durch "frühzeitige Reaktion auf den von den USA ausgehenden Marktrückgang" - in Prosa: Produktionskürzungen - hat man die Lagerbestände gegenüber 2007 sogar reduzieren können, obwohl insgesamt der Absatz des Konzerns um 4,3 Prozent auf weltweit 1,435 Millionen Autos zurückging.

Produktion gedrosselt

Während die Marke BMW um knapp 6 Prozent weniger Fahrzeuge verkaufte - Renner war die kleine "1er"-Baureihe, die um 36 Prozent zulegte - konnte Mini den Absatz um 4,3 Prozent steigern. Die Luxusmarke Rolls Royce verkaufte sogar gleich um ein Fünftel mehr Autos. "Die Geschwindigkeit der konjunkturellen Abkühlung ist nach wie vor sehr hoch", betont Reithofer. Mit einer Erholungsphase rechnet er erst ab 2010. Daher werde man auch heuer "das Geld zusammenhalten, so wie gute Kaufleute es machen".

Weitere Kostensenkungen, Kurzarbeit in den Werken Regensburg und Dingolfing auch in den Monaten April und Mai stehen auf dem Programm - insgesamt sollen rund 38.000 Autos weniger gebaut werden. Auch Entgeltkürzungen sind geplant: Der Vorstand verzichtet auf 40 Prozent seiner Jahresgage, das Management auf 20 bis 30, die Belegschaft muss sich auf 10 Prozent weniger einstellen. Die Dividende wird gegenüber dem Vorjahr gedrittelt.

Die Ziele für 2012 bleiben aufrecht: Die Umsatzrendite soll auf 8 bis 10 Prozent steigen, die Kapitalrendite auf 26 Prozent. Mit dem Vorsprung des Konzerns bei den künftig wohl noch stärker gefragten Spritspartechnologien - mit der "Efficent-dynamics"-Technologie hat man im Vorjahr schon 830.000 Autos verkauft - und dem Anlaufen volumenstarker neuer Modelle - wie dem kleinen Geländewagen X1- erwartet Reithofer ab 2010 dann eine "wirtschaftliche Erholungsphase". "Wir werden die Nummer eins im Premiumsegment bleiben - und unabhängig."