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BMW will schwachen Dollar ausbremsen

Von Helmut Dité

Wirtschaft
Sehr amerikanisch, aber auch auf dem Münchner Flughafen Interesse weckend: der neue BMW X6. Foto: hdt

Mehr Produktion und Einkauf in USA. | X3-Fertigung geht nach Spartanburg. | München/Graz. Die USA sind der wichtigste Markt für den Autobauer BMW: Mehr als 330.000 Fahrzeuge konnte man 2007 dort verkaufen, um sieben Prozent mehr als 2006 - obwohl der US-Automarkt insgesamt um 2,5 Prozent schrumpfte. Getrübt wird die Freude der Münchner über den Erfolg aber durch den immer schwächer werdenden Dollar. Als der Euro noch bei 1,20 Dollar stand - das ist noch gar nicht so lange her - , schrieb BMW für ein in den USA um 100.000 Dollar verkauftes Auto noch etwas mehr als 80.000 Euro in die Bücher. Wenn ein Euro bald 1,60 Dollar kostet - und bis dahin dürfte es nicht mehr lange dauern - dann sind es für das gleiche Auto nur mehr rund 60.000 Euro.


In den letzten beiden Jahren belasteten die Währungsschwankungen die Bücher der Münchner rechnerisch mit mehr als 1,2 Milliarden Euro.

Man war und ist auch für 2008 finanztechnisch abgesichert - "ein Kassakurs von 1,50 Dollar pro Euro und auch mehr kommt durch dieses Hedging nicht in unserer Gewinn- und Verlustrechnung an", erläutert BMW-Finanzvorstand Michael Ganal. Dennoch müsse man das "natural hedging" verstärken - sprich: mehr Autos in den USA selbst produzieren und mehr im Dollarraum zukaufen. Bisher kommen erst etwas mehr als neun Prozent des weltweiten BMW-Einkaufsvolumens von dort.

750 Millionen Euro werden derzeit in das US-BMW-Werk in Spartanburg investiert. Die Produktionskapazität wird von 160.000 auf 240.000 Autos pro Jahr erweitert, 500 zusätzliche Jobs werden geschaffen.

Neue Jobs in Carolina

Der große Geländewagen X5 wird dort gebaut, auch das neue, stark auf den US-Markt zugeschnittene Allrad-Coupé X6. Ab 2010 wandert dann auch die Produktion des nächsten X3 nach South Carolina - wo alle drei Modelle dann mit 60 Prozent Dollarraum-Zulieferanteil gebaut werden.

Bis dahin rollt der auch bei den Amerikanern zunehmend beliebte kleinere X3 in Graz bei Magna Steyr vom Band. Mit deutlich höher als ursprünglich erwarteter Stückzahl von mehr als 100.000 pro Jahr - und mit Bestnoten im Qualitätsranking. Deshalb soll die Zusammenarbeit mit Magna Steyr auch fortgesetzt werden, betont man in München. Der neue Mini-SUV - Arbeitstitel "Colorado" - soll in Graz-Thondorf eventuell schon ab 2009 den X3 zumindest teilweise ersetzen. Das erst vor eineinhalb Jahren auf eine Jahresproduktion von 260.000 Autos erweiterte Mini-Werk in Oxford hat jedenfalls keine Kapazitäten für den kleinen Allradler, von dem man etwa 60.000 Stück pro Jahr verkaufen will.

Nicht betroffen von der Verlagerung in den Dollarraum ist das Motorenwerk in Steyr. Im Gegenteil: Wenn BMW in den USA trotz aller Widrigkeiten wie geplant weiter gegen den Trend zulegt, dann sollen dort besonders die umweltfreundlichen Dieselmotoren forciert werden - und die kommen aus Steyr.