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Boeing holt bei Spritsparjets auf

Von Helmut Dité

Wirtschaft

AUA startet Vereinheitlichung der Flotte: Sieben A320 statt elf Boeing 737.


London/Wien. Doch noch ein Großauftrag einer Fluglinie: Zum Abschluss der Fachbesuchertage der Luftfahrtschau in Farnborough bei London hat die weltweit größte Fluggesellschaft United Airlines aus den USA 150 Kurzstreckenmaschinen des Typs 737 bei Boeing bestellt. Sonst blieben Großaufträge der vor allem in Europa krisengeplagten Airlines aus, nur Leasinggesellschaften schlugen nennenswert zu.

Insgesamt verbuchte Boeing auf der englischen Messe 396 Flugzeugbestellungen im Wert von 37 Milliarden Dollar. Der europäische Konkurrent Airbus holte lediglich 115 Orders im Wert von knapp 17 Milliarden Dollar. Auf seinem Super-Jumbo A 380 blieb Airbus nach vielen negativen Schlagzeilen sitzen: Turkish Airlines hat sich noch nicht entschieden, ob man bei Airbus zehn A380 oder bei Boeing den weiterentwickelten Jumbo 747 kauft.

Airbus und Boeing verbuchten insgesamt Bestellungen über 54 Milliarden Dollar - beide Hersteller werden allerdings niemals das ganze Geld überwiesen bekommen: in der Branche sind derzeit satte Rabatte von 50 Prozent und mehr üblich. "Wir sehen derzeit einen Mitbewerber, der um jeden Preis seinen Rückstand bei den spritsparenden Mittelstreckenjets aufholen will", kommentierte ein Airbus-Manager. Bei der Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris 2011 hatte Airbus für seinen A320neo noch Käufer für 730 Flugzeuge im Wert von mehr als 72 Milliarden Dollar gefunden. Die beiden Erzrivalen wollen jetzt die Auslieferungen stark steigern, mit den derzeitigen Produktionskapazitäten sind sowohl die Amerikaner als auch Airbus sechs bis acht Jahre ausgelastet. Nach einem A-320-Montagewerk in China wollen die Europäer jetzt auch in Alabama, USA, ein Werk bauen, um mit dem Abarbeiten der Orders nachzukommen.

Austrian Airlines hat unterdessen die angekündigte Vereinheitlichung der Mittelstreckenflotte gestartet: Sieben geleaste Airbus A320 sollen noch vor dem Sommerflugpan 2013 elf Boeing 737 - ein Erbe der Übernahme der Lauda Air - ersetzen. Vier der Boeings wurden bereits verkauft, zu welchen Konditionen und an wen soll geheim bleiben. Die AUA erwartet sich Ersparnisse bei Wartung und Ausbildung. Die insgesamt acht Boeing 767 und 777 auf der Langstrecke bleiben im Dienst.