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Böhler als Braut reich geschmückt

Von Karl Leban

Wirtschaft
Böhler-Uddeholm war bereits zwei Wochen auf dem Radarschirm der Voest. Foto: Laresser

Raidl: "Mindestens sechs" Interessenten umwarben Böhler. | "Variante des industriellen Partners war uns lieber." | Unter dem Dach der Voest größere Zukäufe denkbar. | Wien. Der gestrige Freitag galt einer Nachbetrachtung der bevorstehenden Austro-Stahlehe zwischen Voestalpine und Böhler-Uddeholm. Plattform dafür war die Jahres-Pressekonferenz Böhlers im Wiener Hotel Marriott.


Als Braut geht Böhler in die geplante Ehe jedenfalls prächtig geschmückt - mit vollen Auftragsbüchern, einer auf Hochtouren fahrenden Produktion und einem Rekordergebnis im vergangenen Jahr, dem dritten in Folge.

Dass der steirische Edelstahlkonzern gut aufgestellt ist, blendend verdient und üppige Dividenden bezahlt, hat ihn in der Geschäftswelt stark ins Rampenlicht gerückt. Gerade in den letzten Wochen war Böhler von einem gut halben Dutzend Interessenten heiß umgarnt. "Jeder wollte die Mehrheit haben", sagte Konzern-Chef Claus Raidl. Er sprach von "mindestens sechs" Interessenten (darunter auch vier Fonds), mit denen der Vor stand Sondierungsgespräche geführt habe. Bei der Voest sei Böhler seit zwei Wochen auf dem Radarschirm gewesen.

Dass sich das Böhler-Management für die Voestalpine als industriellen Partner entschied, hat nach Worten Raidls nichts mit der vielzitierten österreichischen Lösung zu tun. "Wenn die Voestalpine im Ausland sitzen würde, hätten wir sie genauso genommen", betonte Raidl. "Diese Österreich-Ro mantik habe ich nie verstanden."

Auch mit Androsch Gespräche geführt

"Natürlich haben wir auch mit den Ideenspendern des Österreich-Fonds (um den Industriellen Hannes Androsch, Anm.) gesprochen." Heimische Investoren müssten jedoch genauso Renditen erwirtschaften und seien den Gesetzen des Marktes unterworfen, so Raidl. "Auch ein Österreich-Fonds ist kein Samariterbund oder die Heilsarmee."

Die entscheidende Frage sei gewesen, mit welchem Partner die Zukunft des Unternehmens am besten gesichert wäre. "Uns war daher ein industrieller Partner, der weiß, was ein Elektro-Ofen ist, lieber", begründete der Böhler-Chef seine Entscheidung gegen Finanzinvestoren wie CVC (oder Apollo). Mit der Voestalpine könne man bei Investitionen und Firmenzukäufen nun einen nachhaltigeren Kurs fahren. Unter der Haube der Voest wären auch größere Akquisitionen denkbar, "wenn es finanziell verkraftbar und etwas Vernünftiges ist".

Neben Plänen, den Vertrieb in Boom-Märkten wie etwa Indien, Russland oder Osteuropa, auszubauen, will Böhler nämlich wieder verstärkt den Blick auf Zukäufe richten. Zurzeit werden mögliche Übernahmekandidaten evaluiert.

Fonds-Engagement wäre zu kurzfristig

Beim Einstieg eines Fonds wäre der große Nachteil gewesen, nicht zu wissen, wie lange er an Bord bleibt und wie es mit Böhler nach dessen Ausstieg (im Regelfall bereits nach ein paar Jahren) weitergeht, so Raidl zu den Gründen, warum man CVC eine Absage erteilt habe. Außerdem wollten die Briten eine höhere Dividenden-Quote und Böhler in einer Due Diligence vertieft prüfen - und das sei rechtlich nicht möglich gewesen. "Wir mussten sie ausschließen. Alle Aktionäre müssen gleich behandelt werden, wir können nicht so viel offen legen."

Raidl war jedenfalls immer in der komfortablen Situation, sich den neuen Eigentümer selbst aussuchen zu können. Von der Kernaktionärsgruppe um Anwalt Rudolf Fries, die seit Jahresbeginn unbedingt verkaufen wollte, hatte er die Zusage, dass das 21-prozentige Aktienpaket nur an einen Investor verkauft wird, mit dem auch der Vorstand einverstanden ist.

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