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Böhler kämpft mit steigenden Kosten

Von Veronika Gasser

Wirtschaft

Rewe-Austria-Chef Veit Schalle legte am Donnerstag seinen Aufsichtsratsposten in der Staatsholding ÖIAG zurück. Er wollte damit den Debatten um seine Person selbst ein Ende bereiten. Schalle wurde wegen seiner "Doppelfunktion" heftig kritisiert, nachdem bekannt wurde, dass er einer Investorengruppe vorsteht, die den 25%-Anteil am Kapfenberger Stahlproduzenten Böhler-Uddeholm von der ÖIAG erwerben will.


Im Rechnungshofausschuss wurde die Unvereinbarkeit der Funktionen des Rewe-Chefs heftig diskutiert. Auch ÖIAG-Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Heinzel hielt sich dabei nicht mit Kritik zurück. Mit dem Rücktritt hofft Schalle, die Kaufoption für die AIM (Austira Industrie Management) aufrecht zu erhalten. Doch die Kritiker verstummen nicht, für SP-Wirtschaftssprecher Hans Moser kommt der Rücktritt zu spät, "die schiefe Optik bleibt".

Ob sich die ÖIAG für einen Gang an die Börse oder einen Verkauf an einen starken Finanzinvestor entscheidet, ist noch nicht geklärt. Bei der Aufsichtsratssitzung am Dienstag wird darüber beraten, welchen Vorteil es überhaupt bringt, an das Schalle-Konsortium AIM zu verkaufen, wenn dieses nicht bereit ist, den sonst üblichen Paketzuschlag zu zahlen. " Worin liegt gegenüber dem Börsegang der Nutzen?", heißt es aus der ÖIAG.

"Ich hab mich gewundert, dass sich Billa-Chef Veit Schalle für das Böhler-Paket interessiert, wo er doch gleichzeitig im Aufsichtsrat der ÖIAG sitzt", bemerkt Johann Prettenhofer, Vorsitzender des Arbeiterbetriebsrates der Böhler Edelstahl und Aufsichtsratsmitglied von Böhler-Uddeholm, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er sieht in dem Fall eine Parallele zum Magna-Interesse an der Voest. Die Belegschaft des Unternehmens hätte mit einem zweiten großen Finanzinvestor keine Freude.

Belegschaft für Börsegang

Die Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries, die etwas mehr als 26% von Böhler besitzt, sei schon ein starker heimischer Kernaktionär - und sogar stärker als die ÖIAG. "Ein Verkauf über die Börse, breit gestreut, ist uns weit lieber als eine zweite starke Gruppe. Diese wird nur die Verunsicherung in der Belegschaft vergrößern. Außerdem steigt damit die Gefahr der Filetierung des Unternehmens." Außerdem könnte es auch sein, dass das Unternehmen bei Konflikten zwischen den neuen Eigentümern aufgerieben wird.

Das steirische Unternehmen mit seinen rund 4.000 Mitarbeitern österreichweit kämpft derzeit gegen steigende Kosten und ist mit sinkenden Stahlpreisen konfrontiert. "Die Preise für Legierung und Schrott haben sich verdoppelt, jene für Energie stiegen um ein Drittel", klagt Prettenhofer. Dies sei trotz guter Auftragslage nicht ohne Gegenmaßnahmen zu verkraften. 23 Mitarbeiter sollen in den nächsten Wochen gekündigt werden. Insgesamt versucht die Unternehmensführung, durch das Kostensenkungsprogramm mehr als 70 Arbeiter und Angestellte "abzubauen", auch von Leiharbeitern will man sich trennen und Überstunden senken.

Das Unternehmen sei positiv unterwegs, betont Otto Haberleitner, Vorsitzender des europäischen Betriebsrates von Böhler. Aber die Führung wolle den Einbruch beim Ergebnis so klein wie möglich halten. Mitarbeiter zu kündigen, sei da eben am leichtesten.