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Bollywood und der Liebes-Dschihad

Von Christina Böck

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Es sind die buntesten Filme der Welt. Nirgends wird schmalziger geliebt, nirgends kraftvoller getanzt, nirgends herzhafter gesungen: Das Bollywood-Kino ist für vieles bekannt. Aber nicht unbedingt für politische Konflikte. So etwas wird da genauso ausgeblendet wie zu viel Körperkontakt.

Dass aber in der indischen Filmbranche Konfliktpotenzial steckt, hat nun Sadhvi Prachi, Politikerin der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP, deutlich gemacht. Prachi rief Hindus zum Boykott von Filmen mit muslimischen Schauspielern auf. Genauer gesagt von Filmen mit den Superstars Shah Rukh Khan, Salman Khan und Aamir Khan. Prachi meinte: "Unsere Kinder bekommen von den Khan-Filmen nicht die richtigen Werte vermittelt. Die unterstützen den Liebes-Dschihad." Das ist ein Schlagwort, mit dem Muslimen unterstellt wird, Hindu-Mädchen gezielt zu verführen, damit diese zum Islam konvertieren. Das ist ein Vorwurf, den sich etwa Shah Rukh Khan latent schon lange anhören muss, hat er doch eine hinduistische Ehefrau. Der Schauspieler hat sich schon vor zwei Jahren in einer US-Zeitung beklagt, dass er oft "ungewollt von Politikern zum Symbol für all das gemacht wird, was diese für falsch und unpatriotisch an Muslimen halten". Tatsächlich ist Bollywood seit seinen Anfängen durchwegs muslimisch geprägt. Das wird zumindest einmal ein Religionskonflikt, der nicht eskaliert. Dass sich die Inder ihre Megastars wegnehmen lassen, ist unwahrscheinlich. Das zeigt schon der Artikel dazu in der "Hindustan Times". Neben dem steht nämlich ganz ungeniert ein Inserat mit - Shah Rukh Khan.