Zum Hauptinhalt springen

Bologna ist nicht mehr rot

Von Rainer Mayerhofer

Politik

Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Bologna, die Vorzeigestadt der italienischen Kommunisten und ihrer Erben ist seit Sonntag nicht mehr in den Händen der Linken. Der Kandidat des Mitte-Rechts-Bündnisses von Silvio Berlusconi,

Giorgio Guazzaloca, ein ehemaliger Fleischhauer hat bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt überraschend die Kandidatin der Linken, Silvia Bartolini geschlagen. Mit 50,68 Prozent hat er den Sprung

auf den Bürgermeistersessel geschafft, auf dem seit Kriegsende nur Vertreter der Linken gesessen sind. Geholfen hat ihm dabei vor allem die niedrige Wahlbeteiligung von nur 41,7 Prozent bei der

Stichwahl. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen waren noch 73,4 Prozent der Bologneser zur Wahl gegangen und Bartolini war mit 46,62 Prozent um fünf Prozentpunkte vor ihrem Herausforderer gelegen.

Der Verlust des Bürgermeisteramtes in ihrer langjährigen Hochburg Bologna ist für Italiens Linke, die die Regierung stellt, ein Schuß vor den Bug und wird Silvio Berlusconis Ruf nach baldigen

Neuwahlen weiter anheizen, nicht zuletzt weil dessen Wahlbündnis auch bei den Stichwahlen in anderen Städten, wie Arezzo und Bergamo, wo bisher die Linke tonangebend war, die Führung übernommen hat.

Bologna hat darüber hinaus symbolischen Charakter. Doch die Wahlschlappe des Linksbündnisses in Bologna ist vor allem hausgemacht. Der scheidende Bürgermeister Walter Vitali, der fünfte seit

Kriegsende, hatte im September auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet, nachdem er monatelang von seiner eigenen Partei angegriffen worden war. Zwei mögliche Nachfolgekandidaten warfen wegen

parteiinterner Streitigkeiten vorzeitig das Handtuch und im Februar verließ auch der Präsident der Region, der Linksdemokrat Antonio La Forgia seine Partei, um sich den Demokraten Romani Prodis

anzuschließen. Auch der in letzter Minute erfolgte Versuch der linken Bürgermeisterkandidatin Silvia Bartoli, Prodis Ehefrau Flavia ins künftige Rathausteam zu holen, blieb letztlich erfolglos. Mit

einem Vorsprung von knapp 3.000 Stimmen wird der "Fleischhauer" Giorgio Guazzaloca neuer Bürgermeister in der ehemals roten Musterstadt.