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Bombay-Anschläge: Verdächtige werden nicht ausgeliefert

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Pakistanis wollen Verdächtige im eigenen Land vor Gericht stellen. | Islamabad reagierte mit Festnahmen auf Druck der USA und Indiens. | NeuDelhi. Nach der Festnahme von mutmaßlichen Drahtziehern der Anschlagsserie von Bombay hat Pakistan einer möglichen Auslieferung an Indien eine Absage erteilt. Die Verdächtigen sollten in Pakistan vor Gericht gestellt werden, sagte der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi am Dienstag. Gleichzeitig drohte er Indien mit einem Krieg, sollte Neu Delhi selbst gegen islamistische Kämpfer auf pakistanischem Boden vorgehen.


Nach der Razzia der pakistanischen Armee im Trainingslager der mutmaßlichen Attentäter von Bombay hat Islamabad am Dienstag den Topterroristen Maulana Masud Azhar unter Hausarrest gestellt. Azhar, der Chef der verbotenen Organisation Jaish-e-Mohammad, wird von Indien in Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Parlament 2001 in Neu Delhi gesucht.

Pakistan reagiert damit auf den starken Druck Indiens und der USA, nachdem immer klarer wird, dass die Drahtzieher der Terrortat von Bombay in Pakistan sitzen. Ende November hatten Attentäter in der indischen Finanzmetropole über 60 Stunden lang zwei Luxushotels und ein jüdisches Gemeindezentrum besetzt und an die 200 Menschen getötet.

Azhar, der bereits in Indien in Haft saß, war nach der Entführung einer Indian-Airlines-Maschine im Dezember 2000 gegen Geiseln ausgetauscht worden. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 stellte ihn Pakistan auf Druck der USA für ein Jahr unter Hausarrest. Die USA hatten 2002 auch die Auslieferung des Jaish-Chef im Zusammenhang mit dem Mord an dem amerikanischen Journalisten Daniel Pearl verlangt, Pakistan hatte dies jedoch abgelehnt.

Die USA lobten die Aktionen Pakistans als "positive Schritte". In der letzten Woche hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice bei ihrem Blitzbesuch in Islamabad ein schnelles und wirksames Vorgehen gegen die Terroristen im Lande verlangt. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari erklärte in der "New York Times", Pakistan werde gegen die Attentäter vorgehen und sie als "Terroristen, Verbrecher und Mörder" behandeln.

Indien zweifelt jedoch, ob die Schläge der pakistanischen Regierung gegen die Terroristen im eigenen Land ernst gemeint sind. Bislang hatte Pakistan in der Terrorbekämpfung stets diejenigen Kräfte ausgespart, die ihnen im Kaschmir-Kampf gegen Indien nützlich erschienen. Sollte die Aushebung von Lashkar e Toiba-Camps, die Verhaftung ihres operativen Chefs Zaki ur Rehman Lakhvi und die Festsetzung von Azhar wirklich der Ausdruck einer dauerhaften Strategie sein, wäre dies eine Wende. "Das Problem ist, dass diese Gruppen immer noch ein wichtiger Teil der nationalen Sicherheitsstrategie des pakistanischen Militärs gegen Indien ist", sagt der im pakistanischen Lahore ansässige Journalist und Terrorexperte Ahmed Rashid. "Erst wenn wir diese Strategie ändern und erkennen, dass diese Gruppen nicht nur eine Bedrohung für unserer Nachbarstaaten sondern auch für Pakistan selbst sind, werden wir Veränderungen sehen."