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Bombay-Drahtzieher gefasst?

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik
Lkw-Gerippe nach dem Anschlag von Peshawar. Foto: ap

Islamabad reagiert auf Spannungen. | Camp in Kaschmir ausgehoben. | Neu Delhi. Alles ging schnell: Am frühen Montagmorgen landete ein pakistanischer Militärhubschrauber auf dem Gelände von Jamaat u Dawa, einer "Wohltätigkeitsorganisation", die als Mantel für die verbotene Terrorgruppe Lashkar e Toiba ("Armee der Reinen") dient. Anwohner des Camps, das etwa fünf Kilometer nordwestlich von Muzaffarabad, im von Pakistan kontrollierten Teil Kaschmirs liegt, berichteten von Explosionen und Schüssen. Armeekräfte sollen schon in der Nacht die Gegend abgeriegelt haben. Auch das Lashkar-Hauptquartier in Muridke, nahe der Wirtschaftsmetropole Lahore, wurde von der Armee ausgehoben.


Zwölf Tage nach dem Anschlag in Bombay (Mumbai) reagiert Pakistan auf den zunehmenden Druck seitens der USA und Indiens und präsentiert erste Ergebnisse, um die angespannten Beziehungen mit dem Erzfeind Indien etwas zu normalisieren. Lashkar e Toiba soll Drahtzieher des bislang schwersten Terrorattentats in Indien sein, bei der um die 200 Menschen starben und etwa 300 verletzt wurden. Attentäter schlugen an zehn verschiedenen Plätzen der indischen Finanzmetropole zu und verschanzten sich über 60 Stunden in zwei Luxushotels der Stadt. Am Wochenende hatte US-Außenministerin Condoleezza Rice Pakistan erneut in die Zange genommen, und erklärt, die Anschläge in Bombay seien ihren Hinweisen zufolge von pakistanischem Boden aus geplant worden.

Am Montag hieß es, wenigstens acht Lashkar e Toiba-Mitglieder seien festgenommen worden. Pakistans Armee soll die Verhaftung von Lashkar-Chef Zakir ur Rehman Lakhwi bestätigt haben, dessen Auslieferung Indien verlangt. Die Organisation Jamaat u Dawa erklärte hingegen, das besetzte Lager in Kashmir diene lediglich als Unterkunft und Anlaufstelle für Erdbebenopfer.

In Islamabad tagte das Verteidigungskomitees der Regierung, um die Sicherheitslage im Land vor dem Hintergrund der neuen Spannungen zwischen Pakistan und Indien zu beraten. Das Vorgehen der Armee gegen Lashkar e Toiba dürfte die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen auch in Pakistan noch weiter erhöhen.

Anschläge aufNachschub für Nato

Während die pakistanische Armee im Nordosten des Landes gegen Terror-Outfits vorging, blieb die Sicherheitslage im Nordwesten Pakistans weiter angespannt. Nachdem am Vorabend nahe der Stadt Peshawar an die 150 Versorgungstransporter der Nato-Truppen für Afghanistan in Brand gesteckt worden waren, brannten auch Sonntagnacht erneut 50 Laster aus.

Peshawar wird schon seit Monaten von militanten Kämpfern bedroht, weil der Krieg, den Pakistan und die USA im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet führen, die Taliban immer weiter nach Pakistan hineintreibt. Die strategisch wichtige Transportroute über den Khyber-Pass war in den letzten Monaten immer wieder von Extremisten blockiert worden. Seit sieben Jahren führen die USA und ihre westlichen Alliierten Krieg in Afghanistan.

Doch die Lage dort hat sich in den letzten Monaten rapide verschlechtert. Sorge erregte ein Bericht, wonach die Taliban inzwischen wieder in fast drei Vierteln von Afghanistan präsent sind. Die Extremisten könnten die Hauptstadt Kabul ganz nach ihrem Willen infiltrieren, sagte der in London ansässige International Council on Security and Development.

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