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Bombay findet in den Alltag zurück

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Cafe Leopold wartet wieder auf Gäste. | Schaulustige vor dem Taj Mahal Hotel. | Neu Delhi. Es ist 11 Uhr 23 und Hashvardhan Shah tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Endlich rattert der überfüllte Vorstadtzug nach Borivali in den Churchgate Bahnhof in Bombay ein. Er ist mal wieder zu 10 Minuten zu spät. "Sie sind nicht mal pünktlich, wenn hier alles normal läuft", schimpft Shah, der als Bote in der 18 Millionen-Metropole arbeitet. 150.000 Rupien (ca. 2500 Euro) muss er pünktlich bei einem Kunden abliefern. Die Zeit drängt. Shah hat für Angst keine Zeit.


Bombays Einwohner haben schlimmsten Terroranschlag in der Geschichte Indiens erlebt. Mindestens 187 Menschen sind ums Leben gekommen, mehr als 300 sollen verletzt worden sein. Über 60 Stunden hatte die Attacke auf den Finanzmetropole gedauert. Nun findet die Stadt langsam wieder in die Normalität zurück und gibt sich betont kämpferisch.

Das Cafe Leopold, der ersten Station der Attentäter bei ihrem Massaker, wartet auf Kunden. Es liegt gleich hinter dem Taj Mahal Hotel. Die Spuren des Attentates sind immer noch deutlich sichtbar. Einschüsse an den Wänden und im Fensterglas, Löcher von detonierten Handgranaten. Passanten eilen achtlos vorbei. "Ich war so wütend, dass so etwas hier passieren konnte" sagte ein Kellner. "Wir mussten so schnell wie möglich wieder öffnen, um den Terroristen zu zeigen, dass wir keine Feiglinge sind".

Bombay-Marathon im Jänner wie geplant

Auch Vivek Singh, der Veranstalter des Bombay-Marathons, will nichts von Angst wissen. Das Rennen soll wie geplant im Jänner stattfinden. "Unsere Stadt hat in den letzten Tagen eine riesige Tragödie erlebt. Aber diese Feiglinge werden nichts erreichen," sagt er. Die Läufer sollen wie gewohnt vom Victoria Terminus starten, wo in der letzten Woche die meisten Menschen ums Leben kamen, als zwei Attentäter wild in die Menge der Reisenden schossen. Vivek ist auch überzeugt, dass sich auch die ausländischen Athleten nicht abschrecken lassen. "Terror gibt es doch überall."

Vor dem beschädigten Taj Mahal Hotel reißt die Kette der Schaulustigen nicht ab. "Als alles vorbei war, wollte ich meinen Töchtern das Hotel zeigen", sagt Kamini Sheth mit zwei scheuen Mädchen im Schlepptau. Hier hatten sich die Attentäter am längsten verschanzt. Die 105 Jahre alte Luxusherberge sah die heftigsten Kämpfe zwischen den Terroristen und den Einsatzkräften.

"Wir werden das Taj Hotel wieder fit machen, hoffentlich für die nächsten 100 Jahre", sagt der medienscheue Ratan Tata der Zeitung "Mint". Der Chef der Tata-Gruppe, zu der auch die Taj-Hotelkette gehört, ist überzeugt, dass das Haus, das sein Urgroßvater einst aus Trotz vor den britischen Kolonialherren erbaute, zu seiner alten Größe zurückfindet: "Wir werden uns nicht besiegen lassen".

Kampfgeist des Hotelpersonals ungebrochen

Auch der Kampfgeist des Hotelpersonal, so erzählt Tata, ist ungebrochen. Am Tag nach dem Inferno besuchte er Hoteldirektor Karimbir Kang. Kang war die ganze erste Nacht auf den Beinen gewesen, um Gäste aus dem brennenden Gebäude in die Freiheit zu lotsen. Doch seine Frau Neeti und seinen beiden kleinen Kinder konnte er nicht retten. Sie starben in den Flammen. "Ich ging zu ihm, um ihm mein Beileid zu erklären", erzählt Tata. Doch der Mann habe nur gesagt: "Sir, wir werden uns nicht unterkriegen lassen. Wir werden das Taj Hotel wieder aufbauen, wie es war. Wir stehen zu Ihnen".