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"Bomben-Affäre" sorgt in der Slowakei für Wirbel

Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

Europaarchiv

Flugzeug wider besseres Wissen gestartet. | Innenminister: Amtsvorgänger für "schlechte Praxis" verantwortlich. | Viele Fragen offen. | Bratislava. Mit der Entlassung von Grenz- und Fremdenpolizei-Direktor Tibor Mako scheinen in der slowakischen "Bomben-Affäre" vorerst alle personellen Konsequenzen gezogen. Innenminister Robert Kalinák schließt einen Rücktritt aus.


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Auch vier Tage nach Bekanntwerden des Vorfalls ist längst nicht geklärt, wer dafür verantwortlich ist, dass am 2. Jänner vom Flughafen im ostslowakischen Poprad aus eine Maschine mit einer Sprengstoffprobe an Bord Richtung Dublin startete.

Die Probe war im Rahmen einer Übung im Gepäck eines Passagiers in Poprad deponiert und vor dem Abflug von einem Spürhund aufgespürt worden. Der zuständige Polizist wurde jedoch zwischenzeitlich zu einem anderen Flugzeug gerufen, vergaß darüber angeblich den Sprengstoff und informierte den Piloten erst später. Der Pilot soll die Maschine gestartet haben, obwohl er von der Probe im Gepäck wusste und damit gar nicht hätte losfliegen dürfen.

AhnungsloserPassagier unter Schock

In Dublin, wo zwischenzeitlich eine Nachricht aus Poprad eingegangen war, wurde der Sprengstoff bei der Gepäckabfertigung nicht gefunden, die Flughafenleitung deshalb nicht informiert. Der Flughafen Dublin wurde von Poprad aufgefordert, die Probe mit einem anderen Zivilflieger zurückschicken, was einen Verstoß gegen internationale Vorschriften bedeutet hätte. Am Dienstag fand dann in der Dubliner Wohnung des ahnungslosen slowakischen Passagiers, bei dem man den Sprengstoff vermutete, eine dreistündige Razzia statt. Der Mann erlitt einen Schock.

Die slowakische Generalstaatsanwaltschaft leitete gegen den Polizisten inzwischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Herbeiführung einer allgemeinen Gefahr ein. Der Beamte hat vermutlich nicht nur gegen bestehende Vorschriften verstoßen: Für die Spürhunde-Übung, die der zurückgetretene Mako als "gängiger Praxis entspringend" bezeichnete, gab es offenbar keine Rechtsgrundlage. Der Innenminister behauptet, er habe "ein schlechtes Erbe" angetreten, ohne dies jedoch zu belegen.

Die Öffentlichkeit stößt sich zudem daran, dass aus Irland laufend neue Enthüllungen bekannt werden, während sich Kalinák noch darauf beruft, er müsse vor weiteren Stellungnahmen erst umfassende Informationen einholen. Die EU-Kommission in Brüssel prüft unterdessen, ob die Slowakei gegen die Richtlinie über Sicherheitstests an Flughäfen verstoßen hat.