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Bomben zur Amtseinführung

Von Klaus Huhold

Politik

Nigeria kämpft mit religiösen und politischen Unruhen. | Armut ist oft die Wurzel der Gewalt. | Abuja. Kasernen sind in Nigeria häufig soziale Treffpunkte. In ihnen befinden sich oft Märkte, die auch für die Bevölkerung zugänglich sind, oder auch Bars. Genau in so einer belebten Kaserne gingen in der Stadt Bauchi mehrere Sprengsätze hoch. Hilfskräfte, die vor Ort im Einsatz waren, berichteten, dass 15 Menschen getötet wurden.


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Wenige Stunden vor dem Anschlag hatte Präsident Goodluck Jonathan unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Abuja seinen Amtseid abgelegt. Das Attentat verdeutlicht, vor welch schwieriger Aufgabe Jonathan steht und welch zerrissenes Land er regiert.

Noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt, doch ist es laut Beobachtern kein Zufall, dass die Bomben ausgerechnet in Bauchi hochgingen. Hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu religiöser und politischer Gewalt. Die Stadt mit etwa 300.000 Einwohnern ist eine Hochburg der islamistischen Sekte "Boko Haram" - was übersetzt so viel bedeutet wie "Moderne Erziehung ist Sünde". Die reaktionären Gotteskrieger haben sich schon in der Vergangenheit immer wieder Schlachten mit Sicherheitskräften geliefert und stehen auch nun wieder unter Verdacht.

Zudem war Bauchi eines der Zentren der Ausschreitungen nach der Präsidentenwahl im April. Im vorwiegend moslemischen Norden gab es heftige Protesten gegen den Sieg von Goodluck Jonathan, einem Christen aus dem großteils christlichen Süden, der als Amtsinhaber in die Wahl gegangen war. Kirchen und Häuser brannten, Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, mehrere hundert Menschen kamen ums Leben.

Der Vielvölkerstaat Nigeria, in dem mehr als 500 Sprachen gesprochen werden, wird ständig von religiösen und ethnischen Unruhen heimgesucht. Jonathan versprach bei seiner Amtseinführung, dagegen vorzugehen. "Wir werden es niemandem gestatten, Unterschiede in der Sprache und im Glauben auszunützen, um uns gegeneinander aufzuhetzen", sagte der Präsident.

Problem Korruption

Viele politische Analysten betonen aber, dass die Wurzel für die Gewalt oft die Armut ist. Obwohl der Ölexport jedes Jahr Milliarden in die Staatskasse spült, leben Schätzungen zufolge etwa 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar am Tag. Dies führt zu Verteilungskämpfen, die sich häufig in ethnischen oder religiösen Spannungen manifestieren.

Jonathan hat nun versprochen, die Armut zu bekämpfen - das haben die Nigerianer schon von vielen Politikern gehört. Jedenfalls müsste dafür die Korruption bekämpft werden, deren Profiteure immer dickere Auslandskonten haben.

Zudem benötigt das Land Infrastruktur. Die mangelnde Elektrizitätsversorgung war eines der Hauptthemen im Wahlkampf. So mussten im Norden in den vergangenen Jahren einige Textilfabriken schließen, tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Der Grund: Die Betriebe erhielten nicht genug Strom, um ihre Produktion aufrechtzuerhalten.