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Bombenstimmung in Teheran

Von Christian Ortner

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Christian Ortner.

Der Iran zeigt dem Westen deutlich, dass er an einer friedlichen Lösung des Atomstreits kaum Interesse hat. Israel wird den Preis dafür zahlen müssen.


Dass der Mietzins von Wohnungen mit der Inflation steigt, ist eine lästige, aber auf der ganzen Welt verbreitete Usance. Eine bisher unbekannte, aber nicht unoriginelle Form der Inflationsanpassung wurde jüngst im Iran publik: Dort hat die staatsnahe religiöse Stiftung Khordat die 1989 ausgelobte Prämie für denjenigen, der den Schriftsteller Salman Rushdie ermordet, von 2,8 Millionen auf 3,3 Millionen Dollar angehoben. Man muss das verstehen: Schließlich soll der potenzielle Rushdie-Mörder nicht zum Opfer der sinkenden Kaufkraft des Dollars werden; das wäre ja inhuman.

Es war nicht die einzige Botschaft aus Teheran dieser Tage, die darauf hindeutet, dass die islamische Republik an einer konsensualen Beilegung ihrer Konflikte mit den westlichen Demokratien - vor allem um die gerade entstehende iranische Atombombe - ungefähr so interessiert ist wie an der Errichtung einer katholischen Missionsstation im Zentrum von Teheran.

Erfrischend war in diesem Zusammenhang das offene Geständnis des Kommandeurs der mächtigen Revolutionsgarden, Generalmajor Mohammed Ali Jafari, der Iran kämpfe an der Seite des Massenmörders Bashar al-Assad in Syrien gegen die Aufständischen: "Wir sind stolz darauf, Syrien zu verteidigen, das ein Bollwerk gegen das zionistische Gebilde darstellt."

Fast zeitgleich erklärte der Chef des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi, ähnlich offen in einem Interview der arabischen Zeitung "Al Hayat", wie redlich und seriös der Iran in der Frage seines Atomwaffenprogramms mit der Staatengemeinschaft umgehe: "Manchmal zeigen wir Schwächen, die wir nicht haben; und manchmal zeigen wir Stärken, die wir nicht haben." Er hätte ebenso gut sagen können: Wir lügen, dass sich die Balken biegen, wenn IAEO-Inspektoren kommen.

Feinspitze unter den Iran-Astrologen registrierten penibel, dass die iranischen Bombenbastler just vor der IAEO-Generalversammlung in Wien ganz offen bekannten, die Staatengemeinschaft zu pflanzen, fast als wollten sie den Westen und seinen Widerstand gegen die islamistische Bombe öffentlich der Lächerlichkeit preisgeben. Was ja wohl auch wirklich eine Intention der jüngsten Provokationen war.

Ganz unschuldig freilich ist der Westen nicht daran, dass er sich vom Iran am Nasenring durch die Arena schleifen lässt. Viel zu lange signalisierte er, eine Konfrontation zu scheuen, sehr spät erst wurden wenigstens spürbare ökonomische Sanktionen verhängt. Wenn Teheran das als Zeichen von Schwäche interpretiert hat, ist das durchaus nachvollziehbar.

Dass der Westen den Iran noch auf nichtmilitärischem Weg am Besitz von Nuklearwaffen hindern kann, erscheint deshalb höchst unrealistisch.

Am Ende wird Israel den Preis dafür zahlen müssen, dass sich seine westlichen Alliierten allzu lange vom Iran an der Nase herumführen haben lassen: indem der Judenstaat dann gezwungen sein wird, das Risiko einzugehen, seinen Gegnern im Iran die Bombe militärisch aus der Hand zu nehmen, bevor die ihre Fieberträume von einem nuklearen Holocaust auszuleben beginnen.

ortner@wienerzeitung.at