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Börse "straft" Pariser Großbanken

Von Volkmar Meier

Wirtschaft

Die größte Bank der Welt sollte es werden · so träumte das französische Geldhaus Banque Nationale de Paris (BNP), als es Anfang März ein Übernahmeangebot für das rivalisierende Bankengespann | Societe Generale (SG) Paribas abgab. Mit einer Bilanzsumme von umgerechnet mehr als 11.000 Mrd. Schilling läge die neue SBP deutlich vor dem Duo Deutsche Bank/Bankers Trust, das derzeit diese | Weltrangliste anführt.


Das Pariser Finanzministerium sah die BNP-Offerte mit erklärtem Wohlwollen. Der Fusionsplan hat nur einen entscheidenden Fehler: Er wird von SG und Paribas als feindlich angesehen. Eine

unfreiwillige Übernahme konkurrierender Großbanken, so etwas hat es in Europa noch nie gegeben.

Nun hat der Staat die Notbremse gezogen. Frankreichs Notenbankchef Jean-Claude Trichet bestellte Mittwoch abend BNP-Chef Michel Pebereau sowie seine Erzrivalen Daniel Bouton von der SG und Andre Levy-

Lang von Paribas zum Krisengespräch. Vorausgegangen war ein dramatischer Kurssturz für die Bankaktien an der Pariser Börse. SG verlor in zwei Tagen 14%, Paribas 10% und die BNP 8%. Binnen 48 Stunden

verflüchtigten sich so stolze 6 Mrd. Euro Börsenwert.

Den Kurssturz hatte der französische Staat selbst provoziert. Die Pariser Bankenaufsicht CECEI untersagte am Montag ein verbessertes Übernahmeangebot der SG an Paribas. Mit diesem Schachzug der

Zweierfusion hatten sich SG und Paribas gegen die BNP wehren wollen. Untersagt ist der SG ebenfalls, die Hilfe ausländischer Banken zu suchen. Die Anleger merkten, daß der Staat und nicht mehr sie

selbst das Sagen haben, und verkauften massiv.

Die ohnehin schon verbitterten Angestellten der SG traf der Kurssturz besonders schwer. Sie sind mit knapp 9% Hauptaktionär und halten durchschnittlich knapp 630.000 Schilling je Person an Aktien

ihrer Firma.

Wie die Krise beizulegen ist, weiß wohl auch der als Finanzdiplomat weltweit erfahrene Trichet nicht. Einzige Möglichkeit, den Widerstand zu brechen, wäre ein neues, verbessertes Angebot der BNP.

Falls kein Kompromiß gelingt, könnte auch einausländischer Großaktionär eindringen.

Der Vorstandssprecher der deutschen Commerzbank, Martin Kohlhaussen, sah jüngst die Beweggründe für die riskante Dreierfusion woanders: Die Franzosen wollten endlich wieder die größte Bank der Welt

im eigenen Land haben, "betriebswirtschaftliche Vorgänge" wären da wohl nur zweitrangig.