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Bösendorfer hat Verlust halbiert

Von Eva Stanzl

Wirtschaft
Künstler als Image-Träger für Klavierhersteller: die Pianistin Dora Deliysska am Bösendorfer. Foto: Bösendorfer/Löschnauer

Die Verkäufe ziehen seit Oktober wieder an. | Anknüpfen an Spitzenzeiten jedoch weit entfernt. | Raiding. Brian Kemble beschreibt seinen Zugang zum Geschäft mit einem Zitat von Gustav Mahler: "Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche." Der neue Chef der heimischen Klaviermanufaktur Bösendorfer will dem angeschlagenen Traditionsbetrieb neue Lebenskraft verleihen. "Bis 2013 wird Bösendorfer wieder profitabel sein", betonte der Brite am Dienstag Nachmittag vor Journalisten in Raiding, dem Geburtsort des Komponisten Franz Liszt.


Das unter anderem aufgrund von Management-Fehlern und Eigentümer-Wechseln über Jahre marodierende Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 2009/10 vier Millionen Euro Verlust gemacht. Im Jahr davor waren es 3,5 Millionen Euro. In beiden Jahren wurden jeweils nur 200 Klaviere verkauft - bei einem Weltmarkt von 400.000. Der japanische Yamaha-Konzern, der 2007 Bösendorfer um 15 Millionen Euro von der Bawag erwarb, wollte binnen drei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Dazu hätte er aber mindestens 350 Flügel im Jahr verkaufen müssen, zu Spitzenzeiten waren es sogar 500.

Durch die Wirtschaftskrise brach der US-Markt ein. Auch mangelnde Effizienz, die sich während der Bawag-Eigentümerschaft eingeschlichen hatte, durchkreuzte die Pläne. Von den angepeilten Absatzzahlen blieb man weit entfernt. Die Zahl der Mitarbeiter wurde von 165 auf 115 reduziert, Kurzarbeit eingeführt, der Gründungsstandort in der Graf Starhemberggasse in Wien aufgelassen und Verkauf und Administration in die Klavierfabrik in Wiener Neustadt übersiedelt.

Nun soll der in London geborene Wirtschaftswissenschafter, Historiker und Absolvent der Universität Oxford den Traditionsbetrieb wieder auf Vordermann bringen. Er blickt auf eine 30-jährige Erfahrung in der Klavierindustrie zurück: Sein Großvater hatte die Klaviermanufaktur Kemble gegründet, die später von Yamaha übernommen wurde.

Mehrarbeit, Überstunden

Kemble folgt Yoshichika Sakai, der ab 2008 Chef bei Bösendorfer war. "Ich beginne, nachdem der Eigentümer 80 Prozent der Restrukturierung vollzogen hat", sagt er. Noch im Oktober hatte der Klavierbauer nur 30 Prozent seines Jahres-Verkaufsziels erreicht. Danach schlug das Ende der Rezession im wichtigen Markt Deutschland durch und die Bestellungen zogen an. Im Geschäftsjahr 2010/11 hat Bösendorfer um 20 Prozent mehr Flügel verkauft als im Vorjahr, also 240 Stück. "Der Verlust liegt somit unter 2 Millionen Euro", zeigt sich der Mann mit den lebhaften Augen zufrieden. Der Produktionsplan sei für sechs Monate gefüllt. Kommendes Jahr will Kemble mindestens 260 Klaviere verkaufen. Für 2013/14 strebt er 300 an, wodurch ein kleiner Profit (bei den derzeit 115 Mitarbeitern) möglich sein sollte.

Vorausgesetzt, es wird mehr gearbeitet. "Ich habe derzeit nicht vor, mehr Leute einzustellen, es müssen Überstunden gemacht werden. Das ist billiger als Neueinstellungen - jedoch langfristig keine Lösung", stellt er klar. Im Arbeitsablauf sollen daher leere Kilometer auf ein Minimum reduziert werden - "von unnötigem Papierkram bis hin zu günstigeren Lieferanten-Konditionen nehmen wir alles über die Lupe." Personalabbau sei kein weiterer geplant.

Dafür soll die Produktion in Österreich bleiben. "Es wäre absurd, die Klaviere anderswo zu bauen, niemand kann unsere Flügel konstruieren außer die Klavierbauer hier. Wir müssen vielmehr neue Lehrlinge anlernen", so der Bösendorfer-Chef. Er weiß, wovon er spricht: Hatte doch Yamaha zunächst seine Klaviere für Europa am Kemble-Standort im englischen Milton Keynes produziert. 2009 verlagerte der Konzern die Produktion nach Indonesien - und nahm Kemble mit. "Als kleiner Hersteller von Mittelklasse-Klavieren wurden wir vom Eigentümer, der im selben Segment tätig ist, erdrückt." Da Bösendorfer hingegen im Top-Segment tätig ist, seien es für Yamaha eine Portfolio-Erweiterung.

Verkauf über Yamaha

Allerdings könnte die Traditions-Manufaktur, die sechs Monate braucht, um einen Flügel herzustellen, nicht ohne Rückenwind bestehen. Yamaha schießt ein Jahresbudget von rund neun Millionen Euro zu. Langfristig noch wichtiger: Seit Herbst verkauft Yamaha Bösendorfer über sein Vertriebsnetz in Europa, China, Russland, Osteuropa und Korea. Das bedeutet: Yamaha bestellt eine Anzahl an Flügeln, bezahlt bei Lieferung und verkauft die Instrumente dann weiter an die Händler. Die Zeiten, in denen der heimische Klein- und Mittelbetrieb seine weltweiten Verkaufsgespräche selber führen musste, sind also vorbei.

Direkt verkauft Bösendorfer nur noch an Händler in Österreich und der Schweiz - und natürlich an die wichtigsten Image-Träger, die Pianisten. Doch auch sie bekommen keine Gratis-Flügel mehr zur Verfügung gestellt, damit sie auf ihnen Konzerte spielen. Wodurch die Konzert-Präsenz von Bösendorfer zwar nicht steigen wird - "aber dafür sind alle unserer Verkäufe echte Verkäufe", so Kemble.