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Böses aus dem Internet

Von WZ Online (ja)

Wirtschaft

"Der Mensch ist schlecht", sagt Freund Dieter abends an der Theke, und das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) würde ihm wohl recht geben. Zur Untermauerung hat es den Jahresbericht zur Finanzkriminalität herausgegeben, der eine Verdoppelung der Anzeigen im Bereich Onlinegeschäfte ausweist.


2008 wurden im Zusammenhang mit dem Punkt Internetgeschäften und kommerziellen Webseiten 214 Verdachtsanzeigen erstattet, im Jahr darauf waren es bereits 417. Darunter werden im Allgemeinen Webseiten verstanden, die eine Handelsplattform für Waren bieten. Die 417 Anzeigen beziehend sich auf Sites, auf denen im Waren zu sehr günstigen Preisen angeboten, aber nach Eingang der Zahlung nicht versandt wurden.

Die Betrügereien benötigen zumeist so genannte Financial Agents, auf deren Konten die Kunden den Kaufbetrag einzahlen, der anschließend außerhalb der EU transferiert wird. Dafür erhalten die Agenten, die zumeist über das Internet angeworben wurden, Provisionen.

Anzeigeaufkommen zum Phänomen "Financial Agents" seit 2006

Der Einsatz der Financial Agents hat auch zu einer Steierung der Anzeigen nach dem Geldwäschegesetz (GwG) um 23% geführt (9046 Anzeigen gegenüber 7349). Zusätzlich zu den Verdachtsanzeigen nach dem GwG wurden 2009 insgesamt 247 Hinweise auf Geldwäsche und einer auf Terrorismusfinanzierung von den Finanzbehörden gemeldet.

Eine besondere Herausforderung für die Behörden stellen elektronische Zahlungssysteme dar, da aufgrund von Verschlüsselungstechniken und internetbasierten Übertragungswegen eine Rückverfolgung der Transaktionen wegen fehlender Spuren zu den handelnden Personen schwer oder überhaupt nicht möglich ist.

10 Milliarden Schaden

In vielen Fällen ist Vorbeugung besser als Heilung. KPMG weist in einer Studie diesbezüglich auf signifikante Mängel hin. Besonders wird die Tatsache kritisiert, dass die Verantwortung für Prävention, Entdeckung und Aufklärung fast immer ausschließlich bei den IT-Abteilungen liegt. "Wichtig wäre, dass die unternehmerischen Geschäftsbereiche wie Interne Revision, Compliance und nicht zuletzt die Geschäftsführung stärker involviert werden", stellen die Autoren fest.

Das Volumen des Schadens, das in Deutschland aufgrund von Computer-Kriminalität ensteht, beziffert die KPMG mit mehr als 10 Milliarden Euro.

PDFs OnlineBKA: Jahresbericht 2009 zur Finanzkriminalität

+++ KPMG: e-Crime-Studie 2010