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Böses Omen für Kapitalerhöhung

Von Karl Leban

Wirtschaft

Notfalls müssen Investmentbanken einspringen, um die Emission zu retten.


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Mailand. Augen zu und durch - nach diesem Motto hat der italienische Bankenriese Unicredit zu Wochenbeginn seine Kapitalerhöhung gestartet. Die Turbulenzen rund um die 7,5 Milliarden Euro schwere Emission könnten nicht größer sein. Am Montag setzte die Aktie der Bank-Austria-Mutter ihre steile Talfahrt fort. Der Börsenkurs fiel um fast 13 Prozent auf ein Rekordtief von 2,29 Euro.

Schon in der vergangenen Woche, nach Bekanntgabe der Details zur Kapitalerhöhung, war die Unicredit-Aktie massiv unter Verkaufsdruck gestanden: Das Kursminus hatte alles in allem 37 Prozent betragen, womit sich binnen weniger Tage insgesamt 4,5 Milliarden Euro an Börsenwert in Luft aufgelöst hatten.

In Europa ist die Unicredit die erste Großbank, die mitten in der Staatsschuldenkrise und trotz der schwächelnden Aktienmärkte eine Kapitalerhöhung über die Börse in Angriff genommen hat. Sie benötigt dringend frisches Geld, um eine von der EU-Bankenaufsicht EBA ausgemachte Lücke von acht Milliarden Euro Eigenkapital zu stopfen.

Ihre bis 27. Jänner laufende Kapitalerhöhung gilt als richtungsweisend für die Branche. Denn zumindest einige der 70 größten europäischen Banken, die auf Geheiß der EBA bis Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von mindestens neun Prozent haben müssen, um in der Schuldenkrise wetterfest zu sein, könnten in nächster Zeit ebenfalls versuchen, mit dem Verkauf neuer Aktien Geld an der Börse einzusammeln. Erst vor kurzem haben sich etwa um die Deutsche Bank entsprechende Gerüchte gerankt, die von ihr allerdings dementiert wurden.

Der Rabatt schmilzt dahin

Von anderen börsenotierten Geldhäusern ist bisher nicht bekannt, dass sie Pläne für eine Kapitalerhöhung haben. In Österreich wollen Raiffeisen Bank International und Erste Group eine solche deshalb tunlichst vermeiden, weil ihre Aktien - so wie andere Finanztitel in Europa - weit unter dem Buchwert notieren. Im Fall einer Kapitalerhöhung würde man Vermögen verschleudern, so ihr Argument. Daher setzen sie auf alternative Instrumente (beispielsweise auf den Abbau von Risiken bei bestimmten Wertpapier- und Kreditpositionen), um ihre Kapitallücken zu schließen.

Bei ihrer jetzigen Kapitalerhöhung, der dritten seit der Finanzkrise 2008, lockt die Unicredit ihre Aktionäre mit einem massiven Rabatt. Die neuen Papiere - 3,86 Milliarden sollen in Summe begeben werden - kosten je 1,943 Euro. Gemessen an dem um das Bezugsrecht bereinigten Börsenkurs lag der Abschlag für Altaktionäre zunächst bei 43 Prozent, wegen der starken Kursverluste der letzten Tage ist er mittlerweile jedoch auf rund 15 Prozent geschmolzen. Dass vor allem der Kurs der Bezugsrechte am Montag um mehr als 50 Prozent in den Keller rasselte, zeigt, dass viele Unicredit-Aktionäre offensichtlich nicht gewillt sind, für jede ihrer Aktien zwei neue dazuzukaufen.

Trotzdem ist Bankchef Federico Ghizzoni zuversichtlich, die Kapitalerhöhung voll durchziehen zu können. Die Kursturbulenzen der Unicredit-Aktie begründet er mit den Sorgen über die Finanzsituation einzelner europäischer Länder und die bevorstehenden EU-Beschlüsse in Sachen Schuldenkrise. "Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir mitten in den Sturm rund um die Lage in Ungarn geraten würden", sagte Ghizzoni der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Von den Kernaktionären (siehe Grafik) sollen so gut wie alle bereit sein, bei der Kapitalerhöhung - entsprechend ihrer Bezugsrechte - zum Teil oder ganz mitzuziehen. Noch unklar ist dies bei der einstigen Bank-Austria-Hauptaktionärin, der Wiener AVZ-Stiftung. Völlig offen ist indessen, ob auch die Streubesitzaktionäre bei der Emission zugreifen.

Sollten nicht alle neuen Aktien gezeichnet werden, müssten die mit dem Verkauf beauftragten 27 Investmentbanken die nicht angebrachten Papiere in ihre Bücher nehmen. Denn sie haben die volle Höhe der Kapitalerhöhung garantiert. Die Unicredit selbst muss sich also keine Sorgen machen, dass die Emission mangels Investoreninteresses noch platzt.