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Boulevard, zünftig

Von Andreas Rauschal

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Als Satire auf das Boulevardfernsehen kann es sich das ZDF-Format "Leute, Leute!" nicht nur leisten, die dümmste Form der TV-Unterhaltung aufs Korn zu nehmen. Es darf sich auch selbst erlauben, auf "Prominente und andere Menschen ohne richtigen Beruf" einzuprügeln. Ob die wortstarke Kabarettistin Monika Gruber als sie selbst oder in ihrer an Frauke Ludowig angelehnten Rolle als Society-Bitch zu uns spricht, ist nicht immer entscheidend. Am besten ist Gruber, wenn sie ihr bayerisches Idiom mit harten Inhalten füllt - für die Sendung dialekttechnisch abgebremst, ging es mit Breitseiten auf Christian Wulff, den Mann mit "Steherqualitäten, die jeden Pornoproduzenten in Ekstase versetzen", und Thomas Gottschalk ("In den letzten drei Wochen haben mehr Menschen den Yeti gesehen") auch zünftig los. Witze über Markus Lanz, Gottschalks möglichen Nachfolger, waren folgerichtig wie treffsicher: "Wenn auf der Titanic der Kapitän von der Brücke geht, dann stell ich doch nicht den Bordfrisör ans Steuer."

Aus den Gastauftritten gefakter Experten hätte man mehr machen können, besser war die Antiberichterstattung von der Berlinale, die Scarlett Johansson mit einem dreisten Außenreporter konfrontierte. "Hier ist Ihre letzte Chance, diese öde Veranstaltung zu verlassen: Nehmen Sie meinen Hotelzimmerschlüssel!" Mit dem Vorurteil, man müsse sich für ihren Job unters Messer legen, räumte Gruber übrigens auf: "Ich habe mich hochgeschlafen!"

ZDF-Mediathek, "Leute, Leute" vom 21. Februar 2012