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Boykott der Weihnachtsfeier

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Wien. Bei der betrieblichen Weihnachtsfeier könnte es so richtig peinlich werden. Dann nämlich, wenn der Chef nur seiner Sekretärin zuprostet, weil der Rest der Belegschaft nicht erschienen ist.


Der Unternehmensberater Thomas Andreas Beck sieht darin allerdings auch die Chance zu erkennen, dass etwas im Unternehmen nicht passt. "Als Gastgeber muss man sich fragen, was falsch gelaufen ist", meint Beck, der sich besonders mit sozialen und kulturellen Entwicklungsprozessen in Unternehmen befasst. Es könnte sein, dass etwa der Zeitpunkt falsch gewählt oder die Gestaltung der Feier misslungen ist. Schlimmer als ein solcher Fauxpas ist, "wenn die Mitarbeiter innerlich gekündigt haben und ihnen nicht mehr zum Feiern mit dem Unternehmen zumute ist", so Beck.

Akzeptieren müsste man allerdings auch, wenn der Mitarbeiter schlicht und einfach keine Zeit hat, zur Firmen-Weihnachtsfeier zu kommen. "Es steht auch jedem zu, nicht zu kommen, weil er andere Prioritäten hat", findet Beck.

Dabei ist es für die Angestellten "eine Form der Höflichkeit, sich zu bedanken und abzusagen, statt einfach nicht zu erscheinen".

Der Führungsriege rät Beck, eine authentische Feier zu gestalten. Er berichtet von einem Fall, bei dem Produktionsmitarbeiter, "die nicht die Silberbesteck-Esser sind", eine Weihnachtsfeier boykottierten, weil sie vom Chef in ein nobles Lokal geladen wurden. "Es kann zum Problem werden, wenn die Führung von der Belegschaft so abgehoben ist und keinen Kontakt zu den Mitarbeitern hat", erzählt der Berater.

Unverzichtbares Ritual

Er rät deshalb dazu, die Feier in Kooperation mit dem Betriebsrat zu planen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Oft ist es für die Beteiligten angenehmer, nicht gerade die Woche vor Weihnachten zu feiern, sondern schon Ende November oder zu Jahresbeginn. Wichtig ist es laut Beck nur, dass es ein Ritual gibt.

Bei der Planung sollte Rücksicht auf die Work-Life-Balance und familiären Verhältnisse der Mitarbeiter genommen werden und die Feier nicht etwa am Freitag Abend angesetzt werden.

Für einen Fehler hält es Beck, völlig auf eine Feier zu verzichten. Dann würde man sich nämlich eine große Chance zur Mitarbeiter-Motivation entgehen lassen. Im Endeffekt führe das zur "sozialen Destabilisierung". Außerdem würden sich betriebliche Zusammenkünfte auch besonders gut eignen, um Veränderungen oder Probleme zu erklären.

Chefs haben bei Weihnachtsfeiern die Pflicht, eine - wenn auch nur kurze - Ansprache zu halten und der Belegschaft zu danken, da die Führung ein "Vorbild für soziale Einheiten" sein soll. Beck hält das sogar für wichtiger, als Mitarbeiter zu beschenken. Für die Belegschaft gilt, sich zu benehmen und nicht zu tief ins Glas zu schauen.