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BP gibt 83 Tankstellen an Welser Diskonter ab

Von Karl Leban

Wirtschaft
BP Austria macht Verluste. Müssen Tankstellen aus Not verkauft werden? Foto: BP Austria

Doppler-Gruppe wird zur Nummer 5. | BP Austria erlöst rund 20 Mio. Euro. | Wien. Die Österreich-Tochter des britischen Ölmultis BP verkauft 83 Tankstellen an die oberösterreichische Mineralöl-Gruppe Doppler. Dem Vernehmen nach kassiert BP Austria dabei mehr als 20 Mio. Euro. Ende April 2007 sollen die Tankstellen der Gruppe aus Wels übergeben werden. Mit Ausnahme Tirols und Vorarlbergs sind sie über das gesamte Bundesgebiet gestreut.


Sechs Regionalpakete hat BP nun angebracht. Über die Vergabe eines weiteren Pakets mit elf Stationen in Tirol und Vorarlberg wird in den kommenden Wochen entschieden. Die aktuellen Verkäufe noch nicht eingerechnet, umfasst das österreichische BP-Netz 555 Stationen. Die OMV hat zurzeit 571 Tankstellen.

Der Verkauf von Familiensilber ist Teil eines Sanierungsprogramms, mit dem sich BP Austria gegen die seit 2004 angefallenen Verluste stemmt. Auch für dieses Jahr werden rote Zahlen erwartet. Ein Sozialplan für rund 70 Mitarbeiter, die im Zuge des Sparkurses abgebaut werden sollen, schlägt sich mit hohen Kosten nieder. Einige der Tankstellen, die BP veräußert, sind nicht auf dem modernsten Stand und haben Nachrüstungsbedarf. BP-Austria-Sprecherin Monika Matausch räumte gegenüber der "Wiener Zeitung" ein, man trenne sich von diesen Stationen, "weil wir nicht genügend Investitionsmittel haben".

BP Austria ist eine reine Vertriebsgesellschaft (ohne Förderaktivitäten). Im Vorjahr lag der Umsatz bei 1,57 Mrd. Euro. Ende 2005 waren etwa 430 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.

Von den 83 Tankstellen, die Doppler erwirbt, werden 50 künftig "weiter von BP beliefert und auch unter der Marke BP geführt", so Matausch. Die restlichen 33 Stationen rüstet die Welser Doppler-Gruppe jedoch auf ihre eigene Marke "Turmöl" um.

Riesensprung nach vorn

Der Tankstellen-Deal, durch den Doppler auf rund 200 Stationen und 430 Millionen Liter Treibstoff-Absatz kommen wird, katapultiert die Oberösterreicher unter die fünf größten Spieler im heimischen Tankstellen-Geschäft. Mit etwa 7,5 Prozent Marktanteil (gemessen am gesamtösterreichischen Absatz von 5,6 bis 6 Milliarden Litern) rückt Doppler auf den fünften Platz vor - hinter OMV, BP, Shell und Conoco ("Jet"). Agip werde man überflügeln, so Doppler-Chef Bernd Zierhut zur "Wiener Zeitung". In den nächsten drei Jahren soll der Marktanteil auf 10 Prozent gesteigert werden. "Danach wollen wir aus unseren Grenzen herauswachsen." Als Zielländer für die Expansion ins Ausland hat Zierhut vor allem Deutschland und Tschechien, aber auch Slowenien und Italien im Visier.

Die Doppler-Gruppe hat ihren Umsatz in den vergangenen fünf Jahren auf 360 Mio. Euro mehr als versiebenfacht, für heuer sind 450 Millionen angepeilt.