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"Braune Sauce" und 25 Euro

Von Daniel Bischof

Neun und drei Monate bedingte Haftstrafen für Sohn und Vater, unter anderem weil sie einen Pizzaboten mit einer Machete bedroht haben sollen.


Wien. Völlig außer Atem betreten die beiden Angeklagten - ein Vater und sein Sohn - den Verhandlungssaal. Nur mit Mühe bringen sie ein kraftloses "Grüß Gott" über die Lippen. Die Richterin erkundigt sich nach dem erschöpften Zustand der Männer. "Bei mir hat alles gepiepst", erklärt der Vater. Beim Gerichtseingang muss man eine Metallschleuse passieren - dort dürften die Männer etwas Zeit verloren haben.

Pünktlich kommen die Angeklagten jedenfalls zum gegen sie geführten Verfahren am Wiener Straflandesgericht. Sie sollen am 21. November 2016 zwei Essenslieferanten genötigt haben, ihnen die bestellte Pizza gratis bzw. zu einem reduzierten Preis zu geben. Der Sohn soll mit einer Machete vor den Pizzaboten gestanden sein. Bei seiner anschließenden Festnahme hat er laut Anklage zudem Widerstand geleistet und versucht, die Polizisten zu verletzen. Auch wurden in der Wohnung der Angeklagten verbotene Waffen gefunden.

Bereits vor gut zwei Wochen wurde die Strafsache (Einzelrichterin: Olivia-Nina Frigo) erstmals verhandelt. Da einer der Zulieferer damals nicht erschien, musste die Verhandlung vertagt werden. Am Dienstag ging es weiter. Dieses Mal folgte der Essenslieferant seiner gerichtlichen Ladung. Der Sohn sei mit einem "ganz großen Messer" vor ihm gestanden, schilderte er. "Ich habe das Essen rausgenommen und ihm den Preis genannt. Er hat gesagt, er zahlt das nicht." Zudem habe der Sohn ihn gefragt: "Sollen wir spielen?" "Ich habe dann gesagt: Dann kann ich Ihnen das Essen nicht geben." Man habe diskutiert und sich auf einen Preisnachlass geeinigt: 25 statt 50 Euro. Er habe Angst gehabt und ständig auf die Hand des Sohnes geschaut.

Der Vater sei während der Verhandlungen eine Zeit lang mit einem Holzstock hinter seinem Sohn gestanden und habe laut und undeutlich gesprochen. "Wer ist auf 25 Euro gekommen?", fragte der Staatsanwalt. "Erst hat er (Anm.: Der Sohn) gesagt, er zahlt nur 15", klärte ihn der Lieferant auf. Dann habe man verhandelt und sei auf 25 gekommen. Es sei schon "hinterfragenswert, warum der Verhandlungen über den Preis gemacht hat", meinte der Staatsanwalt später in seinem Schlussplädoyer.

Eine Rolle dürfte auch ein Streit um eine Bestellung beim gleichen Essenszulieferer einen Tag vor der inkriminierten Tat gespielt haben. Die Verpackung bei dieser Bestellung sei kaputt gewesen, sagte der Vater. "Ich war voller brauner Sauce." Man habe sich beschwert. Es sei ihm telefonisch zugesichert worden, dass er einen 50-Euro-Gutschein für die nächste Bestellung bekomme, behauptete der Sohn. Solche Gutscheine gebe es gar nicht, sagte der Pizzabote.

Neun Monate Haft fasste der Sohn schließlich wegen Nötigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchter schwerer Körperverletzung und unbefugten Waffenbesitzes aus. Der Vater wurde vom Vorwurf der Nötigung freigesprochen, aber wegen unbefugten Waffenbesitzes zu drei Monaten Haft verurteilt. Bei beiden Männern wird die Strafe unter Setzung einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.