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Bremse für Tumorwachstum?

Von Wolfgang Kappler

Wissen

Bei Startenor | Luciano Pavarotti wurde das Karzinom operativ emtfernt. | Doch bei vielen | Erkrankten entfällt diese Therapie. | Freiburg/Heidelberg. Die Diagnose wird in der Regel zu spät gestellt, die Behandlungsmöglichkeiten sind unbefriedigend. Bislang entzieht sich Bauchspeicheldrüsenkrebs, das Pankreaskarzinom, hartnäckig jeglichen noch so ausgefeilten Heilungsversuchen. "Die chirurgische Therapie, das heißt, das Entfernen des Tumors, ist die einzige Behandlung, die eine Chance auf Heilung verspricht", stellt Prof. Markus Büchler vom Europäischen Pankreas Zentrum an der Universitätsklinik Heidelberg nüchtern fest. Diese könne aber nur erfolgen, wenn eine Metastasierung der Krebszellen in andere Organe wie etwa die Leber oder die Lunge ausgeschlossen sei.


Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass nur ungefähr ein Viertel aller Patienten mit Pankreaskarzinom einer chirurgischen Entfernung des Tumors zugeführt werden können. Je nach Sitz des Tumors müssen noch weitere Organe oder Teile von ihnen operativ entfernt werden. In allen übrigen Fällen kann die Medizin lediglich versuchen, mit Strahlen- und Chemotherapie ein Weiterwachsen des entarteten Gewebes zu verlangsamen und Symptome zu lindern.

Kaum befriedigende Therapieerfolge

Der Therapieerfolg ist jedoch meist unbefriedigend. "Auch vielfältige Versuche, durch Kombination mehrerer Medikamente die Erfolgsaussichten zu verbessern, sind bislang wenig erfolgreich geblieben", bedauert Klaus Mross, geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Tumorbiologie des Universitätsklinikums Freiburg. Allerdings meldet er sich derzeit mit einer Hoffnung machenden Nachricht zu Wort: Sogenannte Proteinkinase-Hemmer können möglicherweise das Tumorwachstum hemmen.

Kinasen sind Moleküle, die Zellsignale weiter leiten und zahlreiche biologische Prozesse im Körper beeinflussen. "Eine Reihe von ihnen stehen im Verdacht, bei Krebs, Entzündungsprozessen und Herzgefäßerkrankungen eine zentrale Rolle zu spielen", erklärt Mross. Forscher haben deshalb Substanzen entwickelt, die die Kinasen behindern.

BI 2536 im Test an rund 100 Patienten

Einer dieser Stoffe hat die Bezeichnung BI 2536 und hemmt die sogenannte Polo-like-Kinase (PLK), die bei der Teilung von Krebszellen der Bauchspeicheldrüse eine wichtige Rolle spielt. Weil sich in vorausgegangenen Versuchen gezeigt hat, dass der Wirkstoff die Zellteilung in allen Phasen des Zellzyklus blockiert, läuft zur Zeit die erste klinische Studie mit rund 100 Patienten, die von Mross koordiniert wird.

Nach Ablauf der Studien-Phase I stellt der Freiburger Wissenschaftler fest: "Die Beobachtungen zeigen eine im Wesentlichen gute Verträglichkeit. Unerwartete schwerwiegende Nebenwirkungen sind nicht aufgetreten." Verträglichkeitsprüfung und Dosisfindung - darum ging es in diesem Teil der Studie - sagen naturgemäß noch nichts über die Wirksamkeit aus. "Speziell über die Wirksamkeit bei Krebs der Bauchspeicheldrüse kann man erst nach Abschluss der Studie eine Aussage treffen", sagt Mross, der das Projekt mit Patienten, die an zehn Zentren in Österreich, Deutschland und der Schweiz behandelt werden, jetzt in Phase II überleitet.

Eines steht bisher aber fest: "Das Medikament greift an genau definierten Zielstrukturen in komplexe Signalwege der Zellteilung ein und hemmt dadurch das Wachstum von Tumorgewebe." Dabei sei die Substanz BI 2536 der erste PLK-Hemmstoff, der bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs geprüft werde. Die Studie findet im Rahmen des europäischen Netzwerkes für onkologische Zentren, CESAR (Central European Anticancer Drug Research) statt.

Pankreaskarzinom

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist eine seltene, aber sehr gefährliche Krebsart. Jährlich wird bei etwa einem von 10.000 Menschen ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse festgestellt. Betroffen sind vor allem Personen zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr - Männer häufiger als Frauen. Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Krankheiten, die erst zu einem relativ späten Zeitpunkt entdeckt werden. Daher ist ein vollständige Heilung sehr häufig nicht mehr möglich. www.pankreasinfo.com