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Brennende Panzer und verkohlte Leichen am Straßenrand

Von Mohammed Abbas

Politik

Angriff französischer Kampfjets hatte verheerende Wirkung. | Gaddafis Truppen wurden überrascht. | Bengasi. (reuters) Nach den Luftangriffen der Koalition auf die Truppen von Muammar Gaddafi säumen ausgebrannte Panzer und verkohlte Leichen die Straße von der Rebellenhochburg Bengasi nach Ajabija. Jetzt kehren die Aufständischen in ihren Pickup-Trucks zurück, fahren durch die Landschaft der Zerstörung Richtung Westen. "Das alles war Frankreich", sagt Tahir Sassi zu den Fahrzeugwracks, zu den Panzern mit abgerissenen Geschütztürmen und den umgerissenen Straßenlaternen. "Wir kamen heute an und haben gesehen, dass die Straße frei ist."


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Am vergangenen Samstag hatten französische Kampfjets damit begonnen, die Straße vor Bengasi zu bombardieren. Gaddafis Truppen waren kurz davor, die Stadt einzunehmen.

Grausiger Anblick

Im Vorbeifahren können mindestens 16 Tote gezählt werden. Allerdings war die Bombardierung so stark, dass einzelne Leichen nur schwer voreinander unterschieden werden können. Einige sind verkohlt, andere schon zugedeckt. Ein Toter liegt in einem zerstörten Krankenwagen, Verbände sind über den Boden verstreut.

Zu sehen sind die Wracks von etwa 14 Panzern, 20 gepanzerten Truppentransportern, von zwei Lastwagen mit Raketenwerfern und Dutzenden Pritschenwagen. An den Fahrzeugen lodern noch Flammen, lassen Munition explodieren. "Gaddafi ist wie ein Huhn, und die Koalition rupft ihm die Federn aus, damit er nicht fliegen kann", sagt der 52-jährige Rebell Fathi Bin Saud, während er den Ort betrachtet. Er trägt einen Granatwerfer. "Die Revolutionäre werden ihm den Hals durchschneiden."

Die Situation südlich von Bengasi lässt darauf schließen, dass Gaddafis Truppen kurz davor waren, in das Innere der Stadt einzudringen. Bewohner der Stadt klettern auf zerstörte Panzer, schießen Fotos, durchwühlen die Hosentaschen der Toten. Etwa 20 Kilometer südlich von Bengasi scheinen die Soldaten von dem Angriff überrascht worden zu sein: Zu beiden Seiten der Straße sind 200 Meter weit Bettzeug, Kleidung und persönliche Gegenstände von Hunderten Männern verstreut, darunter Stiefel, Panzerwesten, Zigaretten und Kassettenspieler. "Sagt dem Westen, dass sie Muammar Gaddafi langsam zerstören sollen, Stück für Stück", sagt Jamal al-Majburi, der in der Nähe einen Bauernhof besitzt. "So, wie er es mit uns gemacht hat."