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Britischer Geheimdienststreit erinnert an Skandal um Watergate

Von Daniel Jahn

Politik

Der Streit zwischen der britischen Regierung und dem Sender BBC über die Geheimdienstinformationen vor dem Irak-Krieg erinnert in vielerlei Hinsicht an den berühmtesten Politskandal aller Zeiten: Auch während der Watergate-Affäre der frühen siebziger Jahre in den Vereinigten Staaten versuchte die Regierung von Präsident Richard Nixon, sich als Opfer einer Medienkampagne zu präsentieren.


Die "Washington Post" wurde damals vom Weißen Haus massiv unter Druck gesetzt, ihre Recherchen über den Abhörskandal im Wahlkampf-Hauptquartier der Demokratischen Partei einzustellen. Watergate führte letztlich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon. Der Ausgang der Machtprobe zwischen Premier Tony Blair und der BBC ist derzeit völlig offen.

Die hartnäckigen Recherchen der beiden jungen Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward im Watergate-Skandal wurden weltweit zu Vorbildern des investigativen Journalismus, der seither immer wieder Konflikte zwischen Regierungen und Medien herbeigeführt hat. Bernstein undWoodward erhielten damals ihre Informationen von einer Quelle, deren Deckname "Deap Throat" (Tiefer Schlund) war. Über die Identität dieses Informanten wird bis heute gerätselt.

Eine beliebte Verteidigungsstrategie der Regierungen ist es dabei, den Spieß umzudrehen und ihrerseits den Medien unsaubere Methoden vorzuwerfen. So hat Blairs Kommunikationschef Alastair Campbell von der BBC eine "Entschuldigung" für die Berichte über angeblich aufgebauschte Geheimdienstinformationen zur Rechtfertigung des Irak-Krieges gefordert - was sich freilich im Vergleich mit den damaligen Einschüchterungsversuchen der Nixon-Mannschaft noch einigermaßen harmlos ausnimmt.

Denn die "Washington Post" wurde seinerzeit von Regierungmitgliedern nicht nur wüst beschimpft, sondern auch mit ökonomischen Repressalien bedroht und in ihrer journalistischen Arbeit behindert. Berühmt wurde der Wutausbruch des damaligen US-Justizministers John Mitchell, die "Washington Post"-Herausgeberin Katharine Graham werde "sich mit ihrer Titte in einer großen Wäscherolle verfangen, wenn das veröffentlicht wird".

Nixon drohte der Zeitung mit dem Entzug von Kabellizenzen für von der Zeitung betriebene Fernsehsehsender. Nach seiner Wiederwahl im November 1972 ließ der Präsident das Blatt boykottieren: Anfragen der "Washington Post" wurden nicht beantwortet, der Kontakt mit ihren Redakteuren so weit wie möglich gemieden.

All diese Angriffe auf eine freie Berichterstattung nutzten Nixon nichts. Im August 1974 trat er zurück. Für die "Washington Post" und den investigativen Journalismus wurde Watergate damit zum Triumph. Und als Dank für ihre Rückendeckung bekam Herausgeberin Katharine Graham von Bernstein, Woodward und anderen Mitarbeitern eine alte Wäscherolle aus Holz geschenkt, die fortan ihr Büro zierte.