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Brot und Europa-Spiele

Von Tamara Arthofer

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Tamara Arthofer
Tamara Arthofer ist Sport-Ressortleiterin.

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Not macht erfinderisch, heißt es. Zu Recht. Denn es ist wohl kein Zufall, dass Uefa-Präsident Michel Platini die Idee einer Fußball-Europameisterschaft verteilt auf ganz Europa entschlossener vorantreibt als früher den Ball, gerade in Zeiten, in denen es sich die wenigsten Länder leisten können, eine EM-Ausrichtung alleine zu stemmen. Ebenso will man nicht so recht daran glauben, dass die Idee einer europäischen Mini-Version Olympischer Spiele gerade jetzt purer Zufall ist. Die Premiere könnte schon im Sommer 2015 stattfinden, sollten sich die nationalen olympischen Komitees Europas bei ihrer Sitzung in zwei Wochen einigen.

Gerade in der Krise wollen Sportfeste eben gefeiert werden, wie sie von den Funktionärsgranden angesetzt werden. Gebt dem Volk Brot und Spiele. Man kennt das ja.

Natürlich ist der Gedanke an Europa-Spiele nicht ganz abstrus. Es gibt schließlich auch Asien-Spiele, Afrika-Spiele, Panamerika-Spiele. Und die Zeit zwischen den großen, den echten, eben den Olympischen Spielen muss ja irgendwie überbrückt werden. Für die Sportler kleinerer Verbände, die nur alle vier Jahre wirklich wahrgenommen werden, bietet das durchaus eine Chance. Allerdings auch Risiken. Schließlich ist der Terminkalender ohnehin dicht genug, gibt es in allen Sportarten Welt- und Europameisterschaften. Die wiederum laufen Gefahr, durch die Europa-Spiele abgewertet zu werden - abgesehen davon, dass die Olympische Idee, eben die ganze Welt zusammenzubringen, obsolet würde. Mehr ist nicht immer mehr. Außer man hat es auf billigen Eventismus und populistischen Medaillen-Chauvinismus abgesehen. Und davon gibt es eh schon mehr als genug.