Zum Hauptinhalt springen

Brown muss Serie an schmerzhaften Volltreffern einstecken - wann fällt er?

Von Michael Schmölzer

Analysen

Großbritanniens Premier Gordon Brown gleicht einem Boxer, der schwer angeschlagen in den Seilen hängt, aber einfach nicht umfallen will. Tatsächlich ist es eine unglaubliche Serie an politischen Volltreffern, die der Labour-Politiker derzeit verkraften muss. Wobei es mit jedem Tag unwahrscheinlicher wird, dass der Premier im Kampf um sein politisches Überleben doch noch eine entscheidende Wende herbeiführen kann. | Zuerst wurde der ehemalige Schatzkanzler von einem Spesenskandal getroffen, in den zwar Politiker aller Fraktionen involviert sind, der aber Labour am meisten geschadet hat, ist die Partei doch schon seit nunmehr zwölf Jahren an der Macht. In der Folge begann sich Browns Regierung sukzessive aufzulösen. Zwei Staatssekretäre warfen das Handtuch, insgesamt fünf Minister verließen die Arena. Völlig überrascht wurde Brown von Arbeitsminister James Purnell, der am Donnerstagabend seinen Rücktritt bekanntgab und Brown aufforderte, seinem Beispiel zu folgen, um Labour bei den in einem Jahr zu erwartenden Parlamentswahlen eine faire Chance auf den Sieg einzuräumen. Das Maß voll machten Verteidigungsminister John Hutton und Verkehrsminister Geoff Hoon, die am Freitag resignierten.


Die Aussicht auf eine historische Niederlage bei den EU- und bei den Kommunalwahlen dürfte genügen, um Brown endgültig auf die Bretter zu schicken. Darüber waren sich viele Kommentatoren einig. Im Wahlbezirk Central Bedfordshire etwa gewann Labour nicht ein einziges Mandat.

Dennoch könnte der Mann, der seit einem Rugby-Unfall nur noch ein funktionierendes Auge hat, länger stehen bleiben, als es den Anschein hat. Dass Brown seine Handlungsfähigkeit noch nicht eingebüßt hat, zeigt der Umstand, dass ihm die Regierungsumbildung gelungen ist. Zudem ist der Premier als hartnäckig bekannt und als einer, der nicht aufgibt.

Und da ist noch ein Umstand, der den Brown-Gegnern im Parlament und in der Ministerriege zu schaffen macht: Es gibt in der Labour-Party niemanden, der gewillt ist, mit Brown um den Titel zu kämpfen. Es existiert zwar das Lager der "Blairites", die dem Ex-Premier die Treue halten - Purnell und Hutton gehören dazu - doch haben sie noch keinen Anführer.

Eine Zeitlang hatte es so ausgesehen, als könnte dem Premier sein Außenminister David Miliband gefährlich werden. Der noch ziemlich junge Nachfahre polnischer Widerstandskämpfer ließ sich aber nicht vor den Karren der Brown-Gegner spannen. In der jetzigen Krise ist er vielmehr unter denjenigen, die dem wankenden Premier am deutlichsten ihre Unterstützung aussprechen.