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Bruchteil der Straftaten amtsbekannt

Von Jan Richard

Europaarchiv

Trotz der hohen Zahl von Straftaten ist die Kriminalität in Ungarn im europäischen Vergleich verhältnismäßig niedrig. Wenn auch die Be-völkerung das anders sieht und der Polizei nur wenig Vertrauen entgegenbringt.


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Diese Ergebnisse brachte eine repräsentative Untersuchung, bei der landesweit 10.000 Personen befragt wurden. Wie die Wochenzeitung "Pester Llyod" von Ferenc Irk, dem Vorstand des Landesinstituts für Kriminologie, in Erfahrung brachte, beträgt die Zahl der gemeldeten Kriminalfälle in den letzten fünf Jahren im Schnitt eine halbe Million pro Jahr. Die Erhebung zeigt aber auch, dass eine noch viel größere als bisher angenommene Zahl der Fälle nicht gemeldet wird. So wurden 2002 fast 1,3 Mio. Menschen Opfer einer Straftat, während die Statistiken offiziell nur von 244.000 wissen.

Polizei "unfähig"

Möglicher Grund: Nur 17 Prozent der Bürger sind laut einer Umfrage der Meinung, dass die Polizei fähig sei, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, während sich 51 Prozent diesbezüglich nicht sicher waren und der Rest eine negative Antwort gab. Im Allgemeinen bezeichneten nur 13 Prozent der Magyaren die Sicherheitslage als gut. 33 Prozent befanden diese als schlecht, 54 Prozent gaben keine eindeutige Antwort. Fast jeder zweite Ungar denkt übrigens, dass sein Land, was die Kriminalität betrifft, zu den am meisten betroffenen zehn Ländern Europas gehört. Zwölf Prozent meinen sogar, dass man sich unter den drei Ländern befinde, in denen die meisten Straftaten begangen werden.

Terrorismus, illegale Einwanderung, Prostitution und vielfältige Formen von Korruption, Bestechung und Nepotismus - das sind aus Sicht der ungarischen Innenministerin Mónika Lamperth die wichtigsten Probleme, deren Lösung sie angehen will.

Korruptionsfälle größeren Ausmaßes gab es im vergangenen Jahr bei der Zollwache, der Grenzwache und der Polizei. Die Motorradeinheit der Budapester Polizei war, wie eine Kontrolluntersuchung ergab, überdurchschnittlich korrupt.

Was die Mafia - nach Angaben der Polizei handelt es sich um etwa 4.000 Personen - anlangt, so folgt sie auch in Ungarn offenbar einem gesetzmäßigen Zyklus: Nach blutigen Revierkämpfen, in denen die Einflusszonen und Geschäftsfelder der verschiedenen Clans und Gangs abgesteckt werden, kommt es zu einer Phase der Beruhigung und zu dem Versuch, in die legale und saubere Wirtschaft das aus schmutzigen Geschäften verdiente Geld zu investieren.

Die Zahl der Bandenmitglieder bewegt sich pro Mafia-Clan zwischen zehn und 50, doch konnten von der ungarischen Polizei schon mehrere Organisationen identifiziert werden, die über 100 Mitglieder verfügten.