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Bruck an der Leitha als Brücke nach Russland

Von Eva Zelechowski

Wirtschaft

Russische Projektplaner versprechen mit einem geplanten Bildungscampus im Osten Österreichs massive Wertschöpfung.


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Wien. Es ist ein ambitioniertes Bauprojekt, das sich die "Russische Internationale Schule" (RIS) in Bruck an der Leitha und Bruckneudorf vorgenommen hat. Auf dem Schloss-Areal von Beppo Harrach sollen Bildungseinrichtungen entstehen, die über Wohnungen, Industrieprojekte und die Partner Gazprom/OMV refinanziert werden sollen. Geplant sind die Implementierung eines Bildungscampus der RIS (vom Kindergarten bis zur Universität) und die Entwicklung eines internationalen Austauschbildungsprogramms. Dies dient dem "kulturellen Austausch und der Kommunikation zwischen der Russischen Föderation und der Republik Österreich", heißt es im Handout, das bei der Präsentation des Projekts im Dezember 2017 verteilt wurde. Anwesend war auch RIS-Vorstandsmitglied Alexander Zagorulko, der allerdings auf eine Anfrage der "Wiener Zeitung" nicht erreichbar war.

Der Großteil der Projekte soll auf den Liegenschaften von Beppo Harrach gebaut werden: In Frage kommen das Schloss Prugg, das Kapuzinerkloster und die Stallungen. Das höchst sanierungsbedürftige Schloss Harrach steht seit Jahren leer und wird nur noch von gelangweilten Jugendlichen frequentiert. Es soll im Zuge des Projekts von russischer Seite saniert werden. Bereits im Herbst 2018/2019 starten in Bruck an der Leitha die ersten Schulklassen des Bildungsprojekts. Bis Ende März 2018 müssten die Anträge an den Stadtschulrat gestellt werden.

Russen sanieren verfallene Liegenschaft

Wie ist die Wahl auf Bruck an der Leitha und Bruckneudorf gefallen? Die RIS sei gemeinsam mit dem Architekten Georg Driendl schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Ort für das Projekt gewesen, als Driendl Anfang 2017 in einem Ö1-Interview von den ungenutzten Flächen des Schlossherrn Beppo Harrach erfuhr. Nach den ersten Gesprächen folgten Besichtigungen, schnell einigte man sich auf ein rasches Vorgehen. Eine Win-win-Situation für beide Seiten, denn Harrach überlegte seit längerem, was er wegen des Verfalls seiner Liegenschaften unternehmen sollte. Der Erholungspark Harrach bleibt weiter von der Gemeinde gepachtet und öffentlich nutzbar.

Wie weit ist man mit der Projektplanung? Im ersten Quartal 2018 sei eine gegenseitig abgestimmte Erklärung geplant, um das Projekt weiter voranzutreiben, sagt der Bürgermeister von Bruck an der Leitha, Richard Hemmer, zur "Wiener Zeitung". "Angedacht ist ein ,Memorandum of understanding‘, das alle Beteiligten unterfertigen, und das gilt als Basis für die nächsten konkreten Schritte", so Hemmer.

Alles Weitere ist noch nicht greifbar. Von Kosten des Projekts zu sprechen sei noch viel zu verfrüht. Laut Hemmer seien auch die Details der im November präsentierten Unterlagen bloß erste vage Vorstellungen des Architekten, der die RIS berät und "entbehren noch jeder konkreten Grundlage". Ein weiteres Projekt, das noch komplett in der Schwebe sei, ist die Bratislava-Schwechat-Ölpipeline "Druzhba", deren Bauvorhaben in der Power-Point-Präsentation als Refinanzierungsmaßnahme erwähnt wird. Sie habe nichts mit dem Bildungsprojekt der RIS zu tun, sagt Bürgermeister Hemmer. Die Initiatoren des Projekts hätten möglicherweise daran gedacht, dass im Zusammenhang mit dieser Pipeline wirtschaftliche Projekte in der Region entstehen könnten, sagt Hemmer.

Beim Schulprojekt handelt es sich um eine "Internationale Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht", die mindestens zweisprachig - Deutsch und Russisch - geführt werden sollen. Keineswegs stünden die Bildungseinrichtungen nur russischen Schülern und Studierenden offen, sagt Hemmer. Bauvorhaben, die langfristig mehr oder weniger als sicher gelten, sind Wohnungen und Häuser für die neu zugezogenen Schüler mit ihren Familien und Lehrkörper. Für den Bau des Wohnraums sei es laut Plänen auch möglich, dass Flächen von Bruckneudorf genutzt würden. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde ist in die Gespräche eingebunden.

Feedback durchwegs positiv

Das Feedback auf das gesamte RIS-Projekt war durchwegs positiv, auch dem interkulturellen Austausch mit der russischen Community sieht man freudig entgegen. Die Initiatoren lieferten bei der Präsentation ihrer Pläne ein "kulturelles Begleitprogramm", wie es in den Unterlagen heißt. Bruck an der Leitha könnte als Brücke zwischen der EU und Russland fungieren. In Zukunft würden sich entlang der russischen Breitspurbahn mit Terminal bis nach Parndorf wahrscheinlich russische Betriebe ansiedeln.

Das RIS-Projekt sei nur der Anfang und die Organisatoren versprachen den Gemeinderäten bei der Präsentation des Projekts im November 2017 einen massiven Aufwind und Wirtschaftswachstum für die Region und Österreich, bei dem beide Gemeinden mitnaschen könnten. In diesem Kontext wurde auch die Kulturförderung besprochen, denn in der neuen russischen Schule könnte die originalgetreue Nachbildung des verschollenen Bernsteinzimmers dauerhaft ausgestellt werden, erzählte ein Gemeinderat, der bei der Präsentation anwesend wer. "Da haben alle frohlockt. Wow! Bei uns in Bruck das Bernsteinzimmer!"