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Brückenbau ist mehr als Unterhaltung

Von Heiner Boberksi

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"Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist." Als gelernter Österreicher ist man oft geneigt, nach diesen Zeilen aus der "Fledermaus" zu leben. Unangenehme Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben (oder zu haben glauben), werden ausgeblendet. "Hinter meiner, vorder meiner, links, rechts, gült’s nix", der Refrain aus Arik Brauers "Köpferl im Sand" schlägt sehr viel direkter in dieselbe Kerbe.

Nachdem wir nun zumindest tage-, wenn nicht wochenlang "ESC", also quasi die europäische Hauptstadt des Entertainments waren, wäre es aber langsam wieder an der Zeit, auch die Grauslichkeiten auf unserem Planeten zur Kenntnis zu nehmen: Kriege, Katastrophen, Flüchtlingselend und Hunger.

Mit dem Brückenbau zwischen mehr oder weniger weltoffenen, der Popkultur und dem modernen Lifestyle zugewandten Europäern der Smartphone-Generation ist es leider nicht getan. Nur auf der Unterhaltungsschiene, so nett und erfreulich sie sein kann, werden die tiefen Gräben auf dieser Erde nicht zu überbrücken sein. Ob übersteigerter Nationalismus, religiöser Fanatismus, wirtschaftliche Gier oder schlichter Egoismus - es gibt viele Gründe, warum die Welt nicht so friedlich ist, wie sie sein könnte.

Der Einzelne kann nicht alles ändern, aber zumindest beim eigenen Egoismus ansetzen. Und wenn viele Einzelne gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten, kann viel in Bewegung kommen. Damit das gelingt, sind zwischen diesen Einzelnen die nun viel zitierten Brücken erforderlich. Wahre "heroes" werden daher kräftig an ihnen bauen und sich nicht nur musikalisch besäuseln lassen.