Zum Hauptinhalt springen

Brüssel will Anzahl der Schulabbrecher reduzieren

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

Sechs Millionen Europäer kaum gebildet. | EU-Kommission: keine Klassen- wiederholungen, kein Schwänzen. | Brüssel. Mehr als sechs Millionen junge EU-Bürger haben ihre Schule abgebrochen und sind daher spätestens nach der AHS-Unterstufe ausgestiegen. 14,4 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen sind direkt betroffen und in der Folge häufiger arbeitslos und auf Sozialleistungen angewiesen. Die EU hat sich daher vorgenommen, diese Zahl bis 2020 auf höchstens zehn Prozent zu reduzieren.


"Bei einer Senkung der Schulabbrecherquote in Europa um nur ein Prozent würden wir jedes Jahr zusätzlich rund eine halbe Million qualifizierter junger Arbeitskräfte gewinnen", sagte Bildungskommissarin Androulla Vassiliou. Ihre konkreten Vorschläge beinhalten wenig völlig neue Ideen, diese hätte sie aber gerne von den Bildungsministern als gemeinsame EU-Vorgabe festgelegt: In einem Strategiepapier empfiehlt sie etwa eine frühzeitige Förderung von Schülern beim Lernen, um Klassenwiederholungen zu vermeiden. Gegen das Schwänzen des Schulunterrichts müsste rasch und wirksam vorgegangen werden.

Besonders gefördert werden müssten Kinder, deren Muttersprache nicht die Unterrichtssprache ist. Schließlich brechen mit 26 Prozent im Schnitt doppelt so viele junge Menschen der ersten Einwanderergeneration die Schule frühzeitig ab als ihre im jeweiligen Inland geborenen Altersgenossen.

Einige Länder haben das Zehn-Prozent-Ziel schon heute erreicht, stellte Vassiliou fest. Darunter befinden sich Österreich und Litauen mit 8,7 Prozent, Luxemburg mit 7,7, Tschechien, Polen und Slowenien mit gut fünf Prozent sowie die Slowakei sogar knapp darunter. Noch unter dem ungarischen EU-Vorsitz bis Ende Juni soll der Weg in diese Richtung für die gesamte Union verabschiedet werden.

Teil der EU-Strategiefür die Wirtschaft

Bei der Reduzierung der Schulabbrecher handelt es sich um einen Teil der umfassenden Wirtschaftsstrategie "Europa 2020". Bis dahin soll es auch 60 Millionen weniger - und daher maximal 20 Millionen - Europäer unter der Armutsgrenze, mindestens 75 Prozent der 20- bis 64-Jährigen - und daher sechs Prozent mehr - in einem Beschäftigungsverhältnis geben. Mindestens drei Prozent der Wirtschaftsleistung soll in die Forschung reinvestiert, ebenso sollen die EU-Klimaschutzziele eingehalten werden.